Frag doch mal… nach dem Konzil!

Die heutige Frage („Frag doch mal die Schwester“, Teil 5) kommt von einer jungen Frau, betrifft eins meiner Lieblingsthemen und ist für mich eine echte Herausforderung:

„Gibt es eine kurze, knackige, aber gute Zusammenfassung vom 2. Vatikanum? Also konkret, welche Änderungen zu vorher etc.?“

Also, eigentlich ist die Antwort ganz einfach: Ja. 

Die beste Zusammenfassung, die ich kenne, ist das „Kleine Konzilskompendium“ von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler. Ein grünes Taschenbuch, erschienen im Herderverlag, steht in jeder Bücherei oder Bibliothek, die irgendwie mit der katholischen Kirche zu tun hat. Es liest sich ganz gut, enthält die kompletten Konzilstexte auf deutsch und erklärt viele Hintergründe. 

Allerdings hat es 775 Seiten, und vielleicht ist das doch nicht knackig genug…? Ich versuch mal, ein bisschen zu kürzen:

Das II.Vatikanische Konzil hat vom 11.10.1962 bis zum 8.12.1965 gedauert, unterbrochen vom Tod des Papstes Johannes XXIII. und der Wahl von Paul VI. Es war kurz gesagt ein update der Kirche, eine Aktualisierung ins 20. Jahrhundert.

Das erste Bemerkenswerte ist schon, dass das Konzil überhaupt stattgefunden hat, denn auf dem ersten Vatikanischen Konzil war das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet worden. Und nun meinten manche, eigentlich seien Diskussionen in der katholischen Kirche jetzt doch überflüssig. Weit gefehlt! Auf dem Zweiten Vatikanum wurde frei und offen diskutiert, viel mehr, als manche der Kirche vorher zugetraut hatten. Das war auch schon eine wichtige Änderung.

Im Vorfeld gab es eine Fülle von Themen, am Schluss kamen 16 Dokumente von unterschiedlicher Länge und Wichtigkeit heraus. Darin geht es u.a. um das Selbstverständnis der Kirche, um Liturgie, um die Rolle der Laien in der Kirche, um das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Christen und zu anderen Religionen sowie um Religionsfreiheit. 

Konkrete Änderungen gab es so viele, dass manche Katholiken das Gefühl hatten, ihr Kirche hätte sich aufgelöst. Ich nehme mal drei Beispiele raus:

Das sichtbarste war wohl die Liturgie: bis zum Konzil wurde die Messe auf Latein gelesen, der Priester zelebrierte am Hochaltar, mit dem Rücken zur Gemeinde. Jetzt wurde gesagt, dass die „tätige Teilnahme“ der Gemeinde wichtig sei. Die Menschen sollten verstehen, was in der Messe passiert und sie wirklich mitvollziehen. Also wurden die Texte in die verschiedenen Landessprachen übersetzt, die Altäre wurden von den Wänden abgerückt, die Priester wendeten sich den Gemeinden zu usw..

Eine andere Veränderung war die Rolle der Laien. Das ist heute vielleicht schwer zu verstehen, aber vor dem Konzil hatten eigentlich nur die Priester und die Ordensleute was zu melden. Normale Gläubige konnten ja nicht mal die Messe verstehen, sie hatten einfach ihren Rosenkranz zu beten und zu tun, was Herr Pastor sagte. Jetzt kommt das Konzil mit einem revolutionären Begriff: „das gemeinsame Priestertum der Gläubigen“ (Lumen gentium 10) und das „hierarchische Priestertum“. Beide sind zwar verschieden, gehören aber zusammen. Das soll heißen, auch die Laien sind nicht nur die (dummen) Schafe, die vom Hirten gehütet werden, nein, sie haben eine wichtige Aufgabe beim Aufbau der Kirche und des Gottesreiches. Das hat praktische Folgen in den Gemeinden gehabt, z.B. wurden danach die Pfarrgemeinderäte erfunden. In anderen Ländern geht das viel weiter: in Lateinamerika leiten Laien heute oft ganze Gemeinden. Eigentlich aus der Not heraus, weil es zu wenige Priester gibt, aber das Konzil hat eben ausdrücklich gesagt, dass die Laien einen Auftrag dazu haben, am Reich Gottes mitzubauen. Darin sind sie genau so wertvoll wie die Priester.

Ganz wichtig ist noch das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen. Bis zum Konzil hat die Kirche behauptet, die Wahrheit gepachtet zu haben. Außerhalb der (katholischen) Kirche gebe es kein Heil und keine Erlösung, war die feste Überzeugung. Jetzt entwickelt sich die Theologie weiter: Im Dekret über die nichtchristlichen Religionen heißt es, wir lehnen nichts von dem ab, „was in diesen [anderen] Religionen wahr und heilig ist“. (Nostra aetate 2) Wir verkünden also weiter, dass Jesus Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, in dem wir die Fülle religiösen Lebens finden, aber wir können wesentlich entspannter mit Menschen umgehen, die das nicht glauben. Wir müssen sie nicht mehr bemitleiden, ablehnen oder missionieren – wie vor dem Konzil. Im Gegenteil. Da gibt es dann auch mal eine Formulierung wie diese: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ Ganz vorsichtig kommt dann, worin sie sich von uns unterscheiden, aber zuerst mal ist das Verbindende wichtig. Ähnliches gibt es für alle großen Religionen, am meisten für die Juden. Dabei war eine ganz entscheidende Veränderung die Art und Weise, wie geredet wurde: respektvoll statt herablassend, usw. Hier führt das jetzt aber zu weit, es waren ja eh nur ein paar kleine Beispiele.

Fazit: 

das II. Vatikanum hat die katholische Kirche einmal kräftig durchgeschüttelt und auf die Höhe der damaligen Zeit gebracht. Für Details empfehle ich das Kleine Konzilskompendium von Rahner/Vorgrimler. Meine Anmerkungen hier sind meist aus der Einleitung.

Kommentar verfassen