Das Krokodil und die Hexe

Das kleine Krokodil neben mir ist von meinem Zauberstab fasziniert: „Woraus ist der?“ will es wissen. Wir stehen zusammen mit einem Löwen, einem Eisbär, einem Elefanten (alle gezähmt oder wenigstens gut drauf), einem Fisch, einem Pinguin, zwei Fußballern, einem Zauberer und Batman am Straßenrand und warten darauf, dass der Rosenmontagszug losgeht.

Ich bin sehr stolz auf meinen Zauberstab, und so antworte ich wie aus der Pistole: „Buchenholz mit Drachenherzfaser.“ Das Krokodil ist angemessen beeindruckt. „Wo hast du den her?“ „Hab ich bei Olivander gekauft, der macht die besten“ sage ich mit Nachdruck. Das Krokodil möchte wissen, wo Olivander ist, aber es kennt die Winkelgasse nicht, da kann ich ihm jetzt auch nicht helfen.
„Was hat der gekostet? War der teuer?“ „Oh ja, Drachenherzfaser ist ja schließlich nicht irgendein Material!“ „Ich wette, er hat 100.000 Euro gekostet!“ „Aber hör mal! Einen Zauberstab kannst du doch nicht in Euro bezahlen! Dafür brauchst du Zaubergeld.“ Das sieht das Krokodil ein und fragt nochmal: „Und was hat er jetzt gekostet?“ „Ein Goldstück und ein paar kleine Silberlinge.“
Das Krokodil ist zufrieden. Aber plötzlich sieht es mich mit seinen großen Augen fest an, ich kann förmlich sehen, wie es seinen Mut zusammennimmt für die nächste Frage. Die kommt dann ganz leise: „Aber in echt kannst du nicht zaubern, oder?“

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