Liebe-deinen-Nächsten-Gedöns
27. Februar 2015
Gegen den Trend
9. März 2015

Wieder einmal gestalten wir in der Fastenzeit für die Jugendlichen unseres Kinderdorfes Frühschichten. Morgens um 6:00 in der halbdunklen Kirche auf die Empore klettern (wo man sonst nie hinkommt), das ist schon ein bisschen spooky, und hinterher gibt’s Frühstück im Schwesternhaus.

Die Gruppe ist nicht sehr groß, wir haben im Kinderdorf z.Zt. mehr Kleine, aber das ist umso mehr ein Grund für dieses Angebot: weil die Gruppe relativ klein ist, wird sie bei den normalen Gottesdiensten für alle meistens ein wenig vernachlässigt. Und dabei haben Jugendliche so spannende Fragen an die Welt, die Kirche, Gott – und überhaupt!
Unser Thema ist dieses Jahr (angelehnt an die Misereor Jugendfastenaktion) „Wir brechen die Flut“. Gemeint ist die Konsumflut mit ihren Auswirkungen in den Entwicklungsländern.
Ich bereite die Frühschichten zusammen mit Sabine, einer Erzieherin vor, und als wir zu dem Thema recherchiert haben, wurde uns ganz anders. Klar weiß man so einiges, aber wenn man es dann genauer wissen muss und auch ein paar Bilder braucht, um es zu veranschaulichen, dann wird erst klar, worum es eigentlich geht.
In der ersten Woche haben wir über Baumwolle gesprochen. In den Kindermessen war in derselben Woche das Thema „Energie sparen“, und so konnten wir gleich noch mitnehmen, dass es ganz schön viel Energie verbraucht, bis so eine Jeans produziert und an den Niederrhein in unsere Läden transportiert ist. Aber eigentlich ging es uns um etwas anderes:
Ich hatte Bilder gefunden von Kindern bei der Baumwollernte in Afrika und von Jugendlichen in einer Näherei in Bangladesh. Die Jugendlichen sahen sofort: das Mädel an der Nähmaschine war so alt wie sie selbst, der Junge auf dem Feld noch einige Jahre jünger. Ein Mann in einer Färberei stand barfuß in den Chemikalien usw. Keine schöne Vorstellung.
Schließlich die Preisschilder in unseren Läden: nach all den vielen Menschen, die an der Produktion beteiligt waren und die auf einmal ein Gesicht bekommen hatten, kostete das Teil dann 1,99 €. Wie das?
„Je billiger ein T-shirt ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass daran ein Kind mitgearbeitet hat.“ Ich gebe zu, dass diese Formel die Tatsachen sehr vereinfacht, aber es war sozusagen eine Zusammenfassung, eine Faustformel zum Behalten. Eins der Mädels meinte betroffen: „Und ich hab mir letzte Woche ein Karnevalskostüm für 8,- € geholt.“
Es geht uns nicht darum, den Jugendlichen ein schlechtes Gewissen zu machen. Aber sie sind alt genug, in größeren Zusammenhängen zu denken – und wollen das auch. Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut und aufgetragen, uns für die Schwachen und Unterdrückten einzusetzen. Das kann man auch beim Kleiderkauf.

2 Kommentare

  1. Ich habe gerade geschaut, wo man im Internet faire Kleidung bekommt. Die Preise sind teilweise sehr hoch. Aber vermutlich müssen sie das sein.

    • Ja, das müssen sie leider sein, denn unsere sonstige Kleidung ist ja nur deshalb so billig, weil entweder die Menschen ausgebeutet werden, die sie produzieren, oder weil die Umwelt geschädigt wird – meistens beides. Wenn bei der Produktion die Menschen so bezahlt werden, dass sie davon auch leben können und wenn die Umwelt geschont werden soll, dann hat das seinen Preis.

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