Drei in eins
30. Mai 2015
Kinder.Kunst.Festival.
14. Juni 2015

„Toll!“ „Super!“ „Die viele Arbeit hat sich echt gelohnt!“ „Das müssen wir unbedingt wiederholen!“ „Ich freu mich schon auf die nächste Jugendmesse.“

So äußern sich Jugendliche und junge Erwachsene zu einem Jugendprojekt ihrer Pfarrei. Was war es? Ein Konzert? Eine Gospelmesse? Eine Jugendfreizeit oder aufwendige Auslandsreise? Nichts von alledem.
Die Jugendlichen hatten an Fronleichnam innerhalb der Prozession einen Stationsaltar gestaltet. Also: völlig normales Fronleichnamsfest mit völlig normaler Prozession, Messdiener, Weihrauch und was so an Drumherum dazugehört. Und natürlich mit dem völlig unverfälschten Kern: Jesus wird in Form der gewandelten Hostie in einer Monstranz durch die Straßen getragen und verehrt.
An dieser traditionellen Feier beteiligten sich die Jugendlichen also durch die Gestaltung einer von mehreren Stationen der Prozession und trugen so zur Verehrung des Allerheiligsten bei. Sie hatten dabei ihren eigenen Stil. Sie gaben ihrem Stationsaltar den Titel „Standsicher“ und gestalteten ihn nicht konventionell mit weißem Tuch und Kerzen, sondern mit Holzpaletten und Schuhen. Sie hatten sich das gut überlegt und Texte dazu geschrieben.
Ich kenne diese ganze Aktion leider nur aus dem Internet. Genauer gesagt habe ich die Bilder entdeckt als Teil eines kleineren shitstorms, den ein besonders rechtsgläubiger Katholik losgetreten hatte. „Blasphemie!“ „Unwürdig!“ „Unfassbar!“ So ungefähr waren die Kommentare zum Allerheiligsten auf einem Altar aus Schuhen. Virtuelle Prügel wurde angedroht, dem Bischof war das Ganze sowieso schon gemeldet worden.
Wohlgemerkt: auch diese Kommentierer kannten die Aktion nur aus dem Netz, kannten nur drei Bilder und interessierten sich weder für die Erklärungen der Jugendlichen, bzw. der begleitenden Hauptamtlichen noch für die Texte. In ihren Augen war die Sache klar: ein liturgischer Missbrauch, ein schweres Ärgernis, das man nach den Richtlinien von „Redemptionis sacramentum“ umgehend dem Bischof nicht nur melden darf sondern sogar melden sollte.
Ich bewundere die jungen Leute, die sich nach und nach zu Wort meldeten, dabei aber ruhig und erstaunlich höflich blieben. Was sie sich an Beleidigungen gefallen lassen mussten, ist nicht zitierfähig. Ich kann durchaus verstehen, warum sich Menschen von diesen Bildern verletzt fühlen – wenn ich diese Gefühle auch nicht teile. Aber dass Katholiken derart hasserfüllt über andere Menschen herfallen, dafür schäme ich mich sehr.
Davon unabhängig ist die Frage, wieso diesen rechtsgläubigen Pharisäern ein weiß gedeckter Altar wichtiger ist als eine Gruppe begeisteter junger Leute, die offenbar wirklich intensiv über ihren Glauben nachdenken und ihn auch lebendig feiern. Aber das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Eine Kirche, die nichts Besseres zu tun hat, als ihre eigene Jugend wegen liturgischer Formalitäten beim Bischof zu denunzieren, während um uns herum die Welt brennt und nach Erlösung schreit, verdient es auszusterben.
Aber nein, so negativ möchte ich diesen Artikel nicht beenden. Lieber möchte ich meinen Blick auf diese standsichere Jugend richten, die es bestimmt schaffen wird, die Botschaft vom barmherzigen Gott allen weiterzusagen, die sie hören wollen: bunt, froh, vom Heiligen Geist durchweht!

1 Kommentar

  1. Schwester Barbara sagt:

    Die ausführliche und kontroverse Diskussion zu diesem Post konnten wir leider beim Umzug unserer homepage nicht mitnehmen.

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