Denn sie wissen, was sie tun

Gerade hat die Unesco neue Weltkulturerbestätten ernannt und sich gleichzeitig besorgt über die Zerstörung antiker Kulturdenkmäler durch den IS geäußert. Ich nehme das zum Anlass, etwas aufzuarbeiten, dass mich schon seit einiger Zeit beschäftigt.

Ich habe mich  an dieser Stelle schon einmal über die Zerstörung eines antiken Grabes durch den IS geäußert, die Kulturlosigkeit dieser Fanatiker beklagt und an den guten Willen aller anderen appelliert. An sich wäre das Thema in diesem Blog also durch. Doch die Reaktionen auf diesen Artikel waren für mich erschreckend und vertraut zugleich, deshalb hier die wichtigsten in Kürze:
1) „Und wie war das mit der Zerstörung heidnischer Altäre durch die Könige Judas und Israels?“ (wahlweise wird auch gerne der Heilige Bonifatius angeführt).
2) „Sie wissen nicht, was sie tun.“
3) „Der Islam ist eben 600 Jahre jünger als das Christentum.“ – Soll heißen: Wir Christen waren vor 600 Jahren auch noch nicht so weit.
Und weil sie so oft in dieser oder ähnlicher Art kommen, möchte ich jetzt doch mal was dazu sagen:
Ad 1: Ja, wie war das? Nicht schön und nicht richtig war das. Kein historisch denkender Mensch wird abstreiten, dass auch die anderen Religionen der Welt Unrecht begangen haben bei ihren Versuchen sich auszubreiten. Das haben die Könige schon vor 3.000 Jahren in Israel getan, und das hat der Heilige Bonifatius vor über 1.000 Jahren getan, als er den armen Germanen ihre heilige Donar-Eiche gefällt hat. Nein, richtig war das nicht. Nur: wird das Unrecht der heutigen Verbrecher dadurch kleiner? Oder was will der Dichter mit diesem Hinweis überhaupt sagen?
Ad 2: Das bezweifle ich. Die Kämpfer des IS wollen gezielt die Zeugnisse vergangener Kulturen zerstören, weil sie eben nicht islamisch waren. Ich denke, sie wissen genau, was sie tun. Höchstens verstehen sie nicht, was sie sind: eines von vielen, vielen Grüppchen mit einer von vielen, vielen Glaubensüberzeugungen in der Weltgeschichte. (womit ich nicht den Islam als Religion meine, sondern den Fundamentalismus des „Islamischen Staates“. Er ist eine von vielen Spielarten des Islam, so wie ja auch das Christentum nicht ein Block ist, sondern von vielen, vielen Gruppen und Grüppchen je unterschiedlich gelebt und interpretiert wird – im Laufe der Geschichte.)
Ad 3: Der Islam ist grob gesagt 1.400 Jahre alt. Als das Christentum so alt war, waren wir auch noch nicht so aufgeklärt und weltoffen, wie wir es heute sind. Richtig. Allerdings hatten wir Christen damals auch noch keine Industrialisierung und Digitalisierung erlebt. Ja, wir hatten noch nicht einmal Amerika entdeckt. Wer behauptete, dass sich die Erde um die Sonne dreht (wie Nikolaus Kopernikus), der konnte richtig Ärger bekommen, denn auf der Erde wohnt der Mensch, das Abbild Gottes, also muss sich alles um die Erde drehen. Magisches Denken war durchaus noch weit verbreitet (Hexenglauben!), es waren auch noch nicht die innerchristlichen Reformatoren mit ihren unbequemen Fragen aufgetreten, und folglich war schon der Gedanke, dass Menschen einen anderen Gott anbeten könnten als unseren, überaus erschreckend.
Seitdem hat sich die Welt ein wenig geändert. Nicht nur für uns Christen. Und wenn Moslems heute fernsehen, Handies und Internet souverän nutzen – auch für ihre Propaganda! – und locker rund um den Globus jetten, dann darf man doch wohl erwarten, dass sie auch mit ihren religiösen Überzeugungen in der Moderne ankommen.
Oder?

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