Frag doch mal… nach Urlaub!

Frag doch mal die Schwester, Teil 15:
Wie machen und wovon brauchen Schwestern eigentlich Urlaub?

Ehrlich gesagt: im ersten Moment war ich beleidigt, weil ich dachte, der Fragesteller macht sich über mich lustig oder will mir böse. Aber der Kontext der Frage war freundlich und so war schnell klar: Es war eine ehrliche Frage danach, wie wir eigentlich leben.
Also, erster Teil der Frage: wie machen wir Urlaub? – Sehr unterschiedlich!
Ich war jetzt zwei Wochen bei meiner Familie zu Besuch, ein häufiges Modell – wenn schwester noch Familie hat. Oft fahren aber auch mehrere Schwestern gemeinsam irgendwohin, z.B. in eine Ferienwohnung. Die meisten unserer eigenen Häuser haben auch kleine Einliegerwohnungen für Gäste, die man manchmal für Schwesternferien nutzen kann. Das ist aber nicht jedermanns Sache, man braucht doch einen gewissen Abstand.
Damit sind wir beim zweiten Teil der Frage: Wovon brauchen wir Urlaub? – Auch unterschiedlich!
Wir haben Schwestern, die eine Kinderdorffamilie leiten oder eine unserer Hausgemeinschaften, oder die sonst in irgendeiner Form Leitungsverantwortung übernommen haben. Die arbeiten meistens mehr als gut für die Gesundheit ist und sollten ihren Urlaub vom Arzt verordnet bekommen.
Dann gibt es Schwestern wie mich, die eine normale Arbeit haben, im Büro, im Haus, in einer Pfarrei etc. und daneben etliche Pöstchen und Aufgaben, die im Gemeinschaftsleben so anfallen. Wir brauchen unseren Urlaub genau wie jeder Arbeitnehmer, der zwar nicht kurz vor dem Burnout steht, aber doch hin und wieder einfach mal entspannen muss, um anschließend wieder mit Freude und neuer Kraft ranklotzen zu können.
Und schließlich gibt es noch die Schwestern, die keine große Arbeitsaufgabe mehr haben, weil sie zu alt oder krank sind. Sie haben kleine Aufgaben im Haus, manchmal auch noch in der Pfarrei, und natürlich sind sie die Stützen unseres gemeinsamen Gebetes. Tja, wovon brauchen diese Schwestern Urlaub? Natürlich sind sie nicht überarbeitet, aber die tägliche Routine und auch die normalen Zwänge und Rücksichtnahmen, die das Gemeinschaftsleben so mit sich bringt, können ganz schön Kraft kosten. Da tut es einfach gut, mal etwas anderes zu sehen, mal für kurze Zeit rauszukommen. Dann findet man seine Schwestern anschließend gleich wieder viel sympathischer.
Natürlich gibt es Verpflichtungen, die im Urlaub nicht enden. Wir bleiben Schwestern, auch wenn wir „privat“ in der Sonne liegen und Eis schlecken. Als Ordensfrauen sind wir zum Stundengebet verpflichtet, das wir im Alltag morgens und abends beten. (Ursprünglich gibt es 7 „Horen“, also Zeiten, zu denen gebetet wird, aber diese Verpflichtung gilt nur für die kontemplativen Gemeinschaften, nicht für uns apostolisch tätige Ordensleute.) Das Stundengebet soll den Tag durchziehen und ihn heiligen, und das tun wir, auch im Urlaub. Es ist wohl möglich, dass nicht jede Schwester dabei immer die volle Psalmzahl herunterbetet, wenn sie alleine ist, aber das ist auch nicht unbedingt nötig. Wir loben und preisen unseren Gott und pflegen unsere Beziehung zu ihm, gerade im Urlaub – mit dem Brevier und auf viele andere Arten.

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