Eddi
5. November 2015
Tag des Zornes
17. November 2015

Frag doch mal die Schwester, Teil 17:

Diesmal hat mich ein Mann nach dem IS, bzw. nach dem Islam gefragt. Wir hatten uns über die Flüchtlingskrise unterhalten, und er hatte einige dieser Propagandavideos gesehen, mit für die Kamera inszenierten Hinrichtungen. Jetzt hat er eigentlich drei Fragen, der Deutlichkeit halber numeriere ich sie mal:

1) Was sind das für Menschen, die so etwas (im Namen Gottes) tun?

2) Sie glauben an denselben Koran wie viele andere Moslems. Wenn es nur Ausnahmen sind, warum distanzieren sich dann so wenige ihrer Glaubensbrüder von ihnen?

3) Und: Warum kommt der Islam mit keiner anderen Religion aus?

zu 1) Es gibt viele Untersuchungen, welche Menschen sich dem IS anschließen und wer das Ganze eigentlich antreibt. Eine gute Zusammenfassung und einige Hintergründe bietet wikipedia. Hier genügt vielleicht etwas grob vereinfacht: Beim IS handelt es sich (nach Einschätzung des UNO-Sicherheitsrates, Deutschlands und verschiedener anderer Staaten) um eine kriminelle und terroristische Vereinigung, d.h. die Mitglieder sind zunächst mal Fanatiker und Terroristen. Es schließen sich heute auch junge Leute (aus dem Westen) an, die eigentlich nur orientierungslos sind und ein klares Wertesystem und wohl auch das Abenteuer suchen. Damit steht sehr in Frage, ob diese Taten wirklich im Namen Gottes begangen werden. Viele der Kämpfer handeln wohl eher aus politischem Machtstreben oder aus Abenteuerlust, gerade die jungen Leute aus dem Westen haben sich die Sache oft auch schlicht anders vorgestellt und kommen dann nicht mehr raus. Aussteiger berichten von Todesdrohungen auch gegen Fahnenflüchtige.

zu 2) Natürlich gibt es unter den normalen Muslime solche, die den Terror verabscheuen, und solche, die ihn klammheimlich gutheißen. Wie groß diese Gruppen sind, kann ich unmöglich einschätzen. Aber es gibt immer wieder deutliche Distanzierungen vom Terror: Muslime überall auf der Welt beziehen klar Stellung gegen den IS, vom kleinen Gemüsehändler an der Ecke bis zu den wichtigsten Gelehrten der islamischen Universitäten. Auf Facebook gab es mal eine Aktion österreichischer junger Muslime „Nicht in meinem Namen“. Die bedeutendsten Imame haben öffentlich gesagt, dass der IS nicht zum Islam gehört und gegen den Koran verstößt. Immer wieder. Vielleicht nicht oft genug? Nach jedem islamistischen Terroranschlag, nach jedem Bekennerschreiben gibt es sofort Distanzierungen und Solidaritätsbekundungen, muslimische Nachbarn stehen den Opfern bei. Vielleicht nicht genug? Vielleicht wird darüber aber auch einfach nicht genug berichtet, jedenfalls nicht so viel wie über den Terror.

zu 3) Keine Religion kommt mit einer anderen aus, wenn sie behauptet, sie habe allein die Wahrheit für sich gepachtet. Das Christentum hat das lange behauptet und kam in dieser Zeit auch nicht mit anderen aus. Heute behaupten das nur noch wenige Christen – und auch sie kommen nicht gut mit Menschen anderen Glaubens klar. Ganz übel ist auch, wenn eine Religion politische Macht beansprucht. Das tut der Islam in mehreren Ländern, und das ist auch das Wesentliche des IS, des „Islamischen Staates“. Aber der Islam hat dieses Problem nicht für sich gepachtet! Wir Christen haben es wohl (hoffentlich) inzwischen überwunden, aber erst 1870 wurde der Kirchenstaat gewaltsam entmachtet und 1929 entstand aus dem übriggebliebenen Rest der heutige Vatikan. Bis dahin haben auch Christen im Namen Gottes zu den Waffen gegriffen. Übrigens gilt es auch für andere Religionen, dass sie friedlich und freundlich erscheinen, solange sie in kleinen Gruppen auftauchen, aber sobald sie staatliche Gewalt erhalten, missbrauchen sie sie und verlieren ihre Unschuld.

Zurück zum Islam: Der Islam lehrt, dass er die volle Wahrheit besitzt, dass nach ihm keine weitere Offenbarung Gottes mehr kommen kann. Das sagen wir Christen auch. Und jetzt? Wir werden einander verstehen und miteinander auskommen, wenn wir dem anderen zugestehen, dass er Recht haben könnte mit seinem Glauben. Und wenn er nicht Recht hat, dann darf er trotzdem so sein, wie er ist. Aber das müssen beide Seiten ehrlich sagen, sonst funktioniert es nicht. Ich kenne sowohl Christen als auch Muslime, die das hinkriegen. Und ich kenne sowohl Christen als auch Muslime, die damit mächtige Probleme haben!

Zum Schluss noch eine allgemeine Bemerkung zu den drastischen Videos: Bitte seien Sie damit vorsichtig! Manches ist gestellt, es handelt sich um Werbung für neue Mitglieder und um Abschreckung für die Feinde. Und egal, ob es echt oder gestellt ist: Sie werden die Bilder lange nicht aus dem Kopf bekommen. Damit hätten die Terroristen dann schon eins ihrer Ziele erreicht: Angst und Schrecken verbreiten.

 

Bildquelle: www.stundedesislam.de_pixelio.de

 

2 Kommentare

  1. Anton Brudy sagt:

    Ich habe schon gewußt, warum ich mich an eine Ordensschwester wende. Soviel Klarheit im Blick und soviel Wissen, mann/frau glaubt Jesus spricht direkt aus ihnen. Ich bin froh, dass es Menschen wie sie gibt. Sie haben mich immer wieder auf den Weg des Glaubens zurückgeführt. Danke

Kommentar verfassen