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Frag doch mal… nach Jesus!
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Am Wochenende habe ich in zwei Konzerten mitgesungen. Das war schon seltsam: Während wir Chorsänger am Freitagabend nach der Generalprobe erfüllt von wunderbarer Musik nach Hause fuhren, kamen im Autoradio die ersten Meldungen von Paris. Als wir uns am Samstag zum ersten Konzert trafen, war das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich. Und da sollten wir singen?

Aber auf dem Programm stand das Mozart Requiem, eine Messe für die Toten. Eigentlich sehr passend. Und so haben wir sie kurzerhand den Opfern des Pariser Anschlags gewidmet.

Obwohl ich die Musik wirklich wunderschön finde, kann ich doch mit dem Text nicht immer so viel anfangen. „Dies irae, quando judex est venturus“ – Tag des Zorns – wenn der Richter kommt. „Confutatis maledictis, flammis acribus addictis: voca me cum benedictis“ – Wenn die Übeltäter verdammt und den verzehrenden Flammen ausgesetzt werden, dann rufe mich zu den Gesegneten. Eindrucksvoll stellt Mozart das göttliche Strafgericht dar und die flehende Bitte um Gnade und Vergebung.

Dieses Denken ist mir eher fremd. Zugegeben: auch ich glaube, dass es ein „Jüngstes Gericht“ geben wird (das ist uns vielfach überliefert, auch Jesus spricht deutlich davon) und denke, dass es eine Hölle geben muss (eine logische Folge der Freiheit des Menschen). Ich hoffe, dass Gott vor allem gnädig und barmherzig ist und weniger zornig – auch um meiner selbst willen. Zu dieser Hoffnung habe ich Anlass, denn Jesus hat dazu einiges gesagt. Soweit so gut.

Aber wenn etwas passiert wie am Freitag in Paris, dann bin ich nicht nur traurig. Dann frage ich mich auch, was mit diesen Männern jetzt ist. Sie werden sich vor Gott verantworten müssen, wie auch immer das aussieht. Und „verzehrende Flammen“ oder ewiges „Heulen und Zähneknirschen“ (von dem Jesus spricht), das ist so schrecklich, dass ich es nicht einmal jenen wünsche, die einen Massenmord begangen haben. Ich habe natürlich leicht reden, denn ich bin in diesem Fall nicht persönlich betroffen. Trotzdem glaube ich, dass darin auch ein Auftrag Jesu steckt. In seiner Bergpredigt sagt er (Matthäus 5, 43-45):

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Ein schwieriger Auftrag. Doch ich bin überzeugt, dass diese Haltung, diese Liebe den Hass und den Terror überwinden kann. Lassen wir uns nicht vom Zorn der Fanatiker anstecken, sonst haben sie schon gewonnen! Beantworten wir ihre Flüche mit Segen! Und vertrauen wir darauf, dass Gott Gerechtigkeit schaffen wird auf Seine Weise – wohl nicht in dieser Welt, aber sicher in der jenseitigen.

6 Kommentare

  1. Monika sagt:

    Der Tag des Zornes war wohl Freitag der 13. … Ich tu mich schwer mit dem Tag des jüngsten Gerichts, mit dem Ende der Zeiten. Der Freitag war für mich eher ein „Zeichen der Zeit“. Frage ist nur: Wie sollen wir es verstehen, wie deuten. Ich denke da oft: Hitler wurde nicht durch Gebete gestoppt. Nicht durch der Märthyrer stilles oder lautes Sterben… Die KZ-Tore wurden nicht von Engeln geöffnet sondern von den Soldaten… Das Grauen, das dahinter zutage kam war unglaublich… aber es war, mitten unter allen, die es nicht stoppen konnten, bis nicht die Soldaten der „Siegermächte“ kamen, wohlgemerkt nicht mit dem Panzer des Glaubens… und dem Schwert des Wortes oder so… Das gibt mir in diesen Tagen des Zornes und der tausendfachen Schmerzen zu denken…

    • Liebe Monika,
      richtig: Hitler wurde nicht durch Gebete gestoppt. Und das jesuanische „Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“ gilt sicherlich nicht in bewaffneten Konflikten ganzer Völker. Das hatte ich hier auch nicht gemeint. Mir ging es nicht um die politische Ebene, auf der jetzt diskutiert wird, wie Syrien wieder zu befrieden ist, mit Luftschlägen oder mit Bodentruppen usw. Mir ging es um die Einstellung von uns kleinen Leuten, die wir hilflos die Nachrichten verfolgen und dann vielleicht in der Bahn arabisch aussehenden Menschen begegnen. Wie DENKEN und FÜHLEN wir, welche Haltung nehmen wir ein? Wenn wir, die vielen Kleinen Leute, uns zu Zorn und Hass verführen lassen, dann wird daraus Schlimmes erwachsen. Wenn wir besonnen und mitleidig reagieren, können wir viel Gutes bewirken.

  2. Admiral sagt:

    Ich finde, dem Dies Irae wird viel Unrecht getan.
    Wenn man es mit offenem Herzen liest und betet, dann merkt man, daß es am Schluß wundervoll hoffnungsvoll endet. Und das ist meiner Meinung nach die Kernaussage des Gesamttextes. Sich (überspitzt gesagt) einen isolierten Vers zu nehmen und das ganze Stück zu verdammen ist hier nicht hilfreich.

    Das „dies Irae“ verschweigt aber auch nicht die Realität des Gerichts, mit dem jeder von uns am
    Ende konfrontiert sein wird. Hier wird nichts beschönigt.

    Ein wundervoller katholischer Text, der beide Aspekte, Gericht und Erlösung, miteinander vereint.

    Es ist schade, daß dieser Text aus der Liturgie entfernt wurde (bis auf die Möglichkeit ihn zur Lesehore von Allerseelen zu beten).

    • Hallo, Herr Admiral! 🙂
      Ihre Liebe zum „Dies irae“ in allen Ehren, aber da haben Sie nicht genau genug gelesen. Ich habe mitnichten einen einzelnen Vers herausgepickt um das ganze Stück zu „verdammen“. Ich habe zwei Beispiele aus verschiedenen Teilen des Requiems zitiert, für diejenigen, die es nicht kennen, und gesagt, dass mir dieses Denken fremd ist. Ich denke anders über Gott und das Jüngste Gericht. Ich habe davor keine Angst, kein Zittern, keine Vision von verzehrenden Flammen, kein Flehen um Gnade. Die Bilder in meinem Kopf sind einfach anders. Damit verdamme ich nichts, wem diese Bilder etwas bedeuten, mag sie gerne nutzen. Und Mozarts Musik ist sowieso wunderbar.

  3. Admiral sagt:

    Man kann natürlich anders über die letzten Dinge denken, als es die Kirche uns (z. B. im Katechismus) vorgibt. Das steht jedem frei.

    Der Mensch verdammt sich durch seine Taten selbst (oder auch nicht, bei heiligmäßigem Leben). Deshalb muß jeder selbst wissen, ob er zittern sollte und Angst haben muß. Das ist der Punkt „Gewissen“. Allerdings kann das Gewissen bekanntlich auch fehlerhaft gebildet sein, was dann dazu führen kann, daß man sich seine schlechten Taten schön redet und gar kein Einsehen hat.

    Es ist die Kernkompetenz der Kirche die ihr anvertrauten Seelen in den Himmel zu führen, zu erlösen. (Alle anderen Dinge sind übrigens „nur“ löbliche Konsequenzen daraus.)
    Und hier kann das Dies Irae helfen den Menschen den rechten Weg zu zeigen.

    Die Realität ist hart, darf aber nicht aus Gründen der „political correctness“ verschwiegen werden.

    „Und Mozarts Musik ist sowieso wunderbar.“

    Dem stimme ich unwidersprochen zu. 🙂

    • Bitte missverstehen Sie mich jetzt nicht: ich meine das nicht unfreundlich. Aber frage mich doch, woher Sie wissen wollen, ob meine Vorstellungen vom Jüngsten Gericht im Einklang mit dem Katechismus stehen. Ich habe andere Bilder im Kopf als Mozart. Das ist alles.

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