Dein Licht kommt – 4. Dezember

Heute ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Zum Glück habe ich ein Bild von ihr mit einer Lampe gefunden (sie ist die Patronin der Bergleute), so dass ich sie gerade noch in unseren Kerzen-Kalender einschmuggeln konnte!

Meine Patronin ist mir im Lauf der Jahre immer lieber geworden. Einmal hat die Kirche sie abgeschafft, in der Kalenderreform von 1969. Als ich das erfahren habe, bin ich wohl endgültig zu ihrem Fan geworden. Es sei eher unwahrscheinlich, dass sie wirklich historisch sei, hieß es – und wie könne man eine Heilige verehren, die gar nicht gelebt hat?!

Und dann? – Hat das Volk sie einfach weiter verehrt. Barbara war nicht totzukriegen. Die Menschen lieben diese Heilige so sehr, dass es ihnen ganz egal war, ob die Kirche ihnen erlaubt, sie zu verehren.

Na, und da hat Rom drei Jahre später Barbara eben wieder anerkannt und erneut in den Heiligenkalender aufgenommen!

Ist das jetzt ziviler Ungehorsam? Guerilla-Frömmigkeit? Revoluzzertum am Seitenaltar?

Ich glaube nicht. Ich denke vielmehr, die Heilige Barbara ist ein Urbild der Märtyrer. Sogar falls sie gar nicht gelebt haben sollte, so verdichten sich in ihr und ihren Legenden doch die Erinnerungen an zahlreiche Christen der jungen Kirche. Vielen ging es im dritten und vierten Jahrhundert so, dass sie sich durch ihre Bekehrung zum Christentum und ihre Taufe von ihrer Familie entfernten. Manche Familie hat das nicht akzeptiert und versucht, das abtrünnige Kind mit Gewalt zurückzuholen. Barbara ist das Beispiel einer solchen Tochter, die sich sehr rational und frei für den neuen Glauben entscheidet und dann daran festhält, obwohl ihr Vater sie mit dem Tode bedroht – und schließlich wirklich umbringt.

Dieses Vorbild an Glaubensstärke haben die Menschen durch die Jahrhunderte so sehr geliebt, dass Barbara unlaublich viele Patronate bekam: die Bergleute, Architekten, Maurer, Bauern, Zimmerleute, Feuerwehrleute, Buchhändler, die Gefangenen, die Mädchen und viele andere. Sie hilft gegen Fieber und Pest, bei Gewitter, in der Sterbestunde und ist sowieso eine der 14 Nothelferinnen.

Ich frage mich nicht, wie viel ein Gebet hilft, wenn die Heilige, an die ich es richte, gar nicht gelebt hat. Barbara ist kein Automat, in den man oben ein Gebet einwirft, um unten eine gute Sterbestunde rauszukriegen. Barbara ist eine verdichtete Erinnerung daran, dass Gott uns Kraft und Hoffnung geben will und geben kann. Seine Hoffnung geht über dieses Leben hinaus, und die Kraft, die Gott verleiht, lässt uns alles überstehen, was Menschen uns in dieser Welt antun können.

Bild: ThomasBlenkers@pixelio.de

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