Dein Licht… ist da!

Josef zog von Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt, denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

aus dem Evangelium nach Lukas, Kapitel 2, 4-7

Soweit steht es in der Bibel. Alles andere, was man in unseren Krippen sehen kann, haben wir frei erfunden, sogar Ochs und Esel. Nur die Hirten und die Engel kommen dann auch wieder in der Bibel vor und im Matthäusevangelium „die Sterndeuter aus dem Osten“.

Wir wissen also nicht wirklich, wie die äußeren Umstände waren und haben viel Spielraum für Spekulationen. Deshalb gibt es ja auch so viele Variationen der Krippendarstellung. So viel ist klar: es war nicht gemütlich, „weil in der Herberge kein Platz für sie war“.

Trotzdem sprechen wir oft von der Krippenidylle. Häufig strahlen Krippenfiguren einen Frieden und eine Freude aus, die nicht so recht zu dieser Beschreibung passen wollen: kein Platz in der Herberge, Geburt in einem Stall, und das alles auf dem Weg zur staatlichen Registrierungsstelle. Das ist doch wirklich nicht zum freuen! Ist da im Laufe von 2.000 Jahren den Krippenschnitzern das Bewusstsein abhanden gekommen, was sie eigentlich darstellen?

Manchmal vielleicht. Aber manchmal glaube ich, dass sie diesen besonderen Augenblick eingefangen wollten, wo tatsächlich „Friede auf Erden“ war. Gott wurde Mensch. Ein Wunder war geschehen. Trotz der erbärmlichen äußeren Umstände hat die Welt einen Moment lang den Atem angehalten – und es war Friede.

Ist das nicht ein schöner Gedanke?

Wenn es so war, dann hat der Moment nicht lange gedauert. Als König Herodes von dieser Geburt erfährt, will er das Kind töten. Maria und Josef müssen mit dem kleinen Josef nach Ägypten fliehen. Damit sind wir dann endgültig in der Jetztzeit und der Flüchtlingskrise angekommen.

Aber immerhin: einen Moment lang, einen Atemzug lang, ist Friede in der Welt! Denn Gott wurde Mensch. Er überlässt uns nicht uns selbst, er will bei uns sein, so nah wie möglich. Das ist wahrhaft ein Grund zu feiern. Frohe und gesegnete Weihnacht!

2 Comments


  • „Gott wurde Mensch. Ein Wunder war geschehen. Trotz der erbärmlichen äußeren Umstände hat die Welt einen Moment lang den Atem angehalten – und es war Friede.“ Es war damals keine Friede und es ist heute keine Friede, was aber anders ist: den Atem halten in dieser Nacht HEUTE miillionenmal mehr Menschen an den verschiedenen Krippen an als damal an der einen. Wenn auch in Bethlehem heuer weniger Menschen den Heiligen Abend verbrachten, in hunderttausenden Kirchen und Wohnzimmern weltweit wurde vielleicht gerade deshalb intensiver „der Atem angehalten“, gesungen, gebeten und gemeinsam gefeierte als damals und heute in Bethlehem. Wenn wir im Jahr der Barmherzigkeit dem Motto folgen: „Macht es wie Gott, werdet Mensch!“ dann sind es nächstes Jahr vielleicht noch mehr…

    • Barbara Offermann

      Ja, so hoffen wir zumindest. Diese Hoffnung ist alles, was wir haben – aber sie ist eine starke Macht und Antriebskraft.

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