Frag doch mal… nach dem Katechismus!

Frag doch mal die Schwester, Teil 20:

Der Katechismus ist doch total langweilig – ist er nicht völlig veraltet?

Und warum sollte die kirchliche Lehre für Christen überhaupt wichtig sein?

Nun muss ich vorausschicken: wir Berufschristen neigen bei solchen Fragen zunächst mal zur Schnappatmung und einem entsetzten: „Geht’s noch?“ Aber bei nüchterner Betrachtung ist es halt eine Tatsache, dass heute manches nicht mehr klar ist, was früher selbstverständlich war. Ich versuche also mal, verständlich zu machen, was ich bisher nicht so genau reflektiern und verstehen musste, weil es ja scheinbar selbstverständlich war:

  1. Der Katechismus ist total langweilig – tja, mag sein. Ich habe als Jugendliche bei „KKK“ auch an den Ku-Klux-Klan gedacht und nicht an den Katechismus der Katholischen Kirche. Wirklich beschäftigt habe ich mich damit erst im Noviziat und dann später, als ich zwei Jugendliche auf die Taufe vorbereitet habe und ganz genau wissen musste, was unsere Kirche lehrt.
    Ist er aber auch total veraltet? Das denke ich nicht, denn er antwortet durchaus auch auf Fragen der heutigen Zeit. Gerade wenn man sich nicht mit Gerüchten und Stammtischgerede zufrieden gibt, sondern wirklich wissen will, was die Kirche sagt, und was das Ganze mit Gott eigentlich soll, ist er sehr hilfreich. Und wenn man einmal reingeschaut hat, dann merkt man, dass darin eine Menge kluger und aktueller Dinge stehen. Die Sprache ist manchmal seltsam, aber zum Glück gibt es jetzt den Youcat, den Jugendkatechismus, der liest sich ganz gut.
  2. Warum sollte die Lehre ganz allgemein wichtig sein? Das wird mir immer dann deutlich, wenn ich Menschen treffe, die etwas im Namen der katholischen Kirche erzählen, was der Lehre widerspricht. Wenn z.B. jemand verkündet „Alle Schwulen kommen in die Hölle!“ oder „der Islam ist ein Teufelskult!“ oder ähnliches, dann kann ich antworten: das darfst du von mir aus sagen, aber bitte als deine Privatmeinung. Sag nicht, dass „die Katholiken“ das glauben oder gar glauben müssen! Die Lehre der katholischen Kirche ist nämlich anders!
    Die Lehre hat also immer etwas mit Zugehörigkeit zu tun: wenn du das glaubst, was wir lehren, dann bist du dabei, wenn du das nicht glaubst und befolgst, dann wird es schwierig. Das klingt vielleicht blöd, gilt aber nicht nur bei der Kirche, sondern bei jedem Kaninchenzüchterverein und bei jedem Fußballclub. Der hat auch Statuten oder Hausregeln oder Bedingungen für die Mitgliedschaft. Wobei noch die Frage ist, was passiert, wenn man gegen diese Statuten verstößt. Das ist bei Glaubenssätzen ja nicht so einfach.
    Aber man wird ja auch nicht für jeden Zweifel aus der Kirche ausgeschlossen. Die Lehre ist nur dazu da, den Weg zu zeigen, eine Orientierung. Wenn man den Weg falsch findet, soll man sich prüfen und informieren. Vielleicht hat man z.B. ein Dogma einfach falsch verstanden? Wenn man an etwas wirklich Anstoß nimmt, dann sollte man sich die Sache gründlich ansehen: Lehrt die Kirche wirklich, was ich so schrecklich finde? Oder gibt es einen tieferen Sinn, der alles in anderem Licht erscheinen lässt?
    Erst wenn man in wichtigen, zentralen Fragen der Lehre dauerhaft nicht zustimmen kann, dann ist es schwierig, Mitglied zu bleiben. Aber das wäre beim schon erwähnten Fußballclub auch nicht anders: wenn mir die Farbe des Vereinsheims nicht gefällt oder ich den Fanschal lieber um den Arm als um den Hals binde, muss ich nicht gehen. Aber wenn ich finde, dass man die Spielentscheidung in der 30. Minute durch den Einsatz von Pyrotechnik herbeiführen sollte, dann könnte es sein, dass nur wenige der anderen Clubmitglieder meine Begeisterung teilen. Und dann? Dann kann ich zur Spielweise nach den Regeln zurückkehren – oder ich muss den Club wechseln.
    Zurück zur Kirche. Ich denke, dass viele Menschen sich vor allem deshalb über die kirchliche Lehre aufregen, weil sie sie nicht gut genug kennen. Ich selber habe z.B. erst im Noviziatsunterricht den Sinn der Mariendogmen begriffen. Vorher hatte ich mir keine tieferen Gedanken dazu gemacht – frommer Kram halt, den keiner braucht! Jetzt weiß ich, dass diese Dogmen wunderbare Aussagen machen, die sehr wohl mit mir zu tun haben. Bevor man sich also darüber aufregt, lohnt es sich, ein bisschen tiefer zu buddeln. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Karl Rahner zitieren, der einmal einen sehr schönen Satz über Dogmen sagte und den man wohl auf die kirchliche Lehre insgesamt erweitern darf:
    „Dogmen sind wie Straßenlaternen in der Nacht. Sie weisen den Irrenden den Weg durch die Dunkelheit. Aber nur Betrunkene halten sich daran fest.“

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