Ich brauche… meinen Platz

Wir alle möchten Freunde. Dabei ist der eine, beste Freund, natürlich etwas Wunderbares. Aber ebenfalls ganz wichtig ist eine Gruppe von Freunden, eine Clique, peer-group, oder wie auch immer man sie bezeichnen mag.

Nun sind unsere Erfahrungen mit Cliquen nicht immer einfach, denn in jeder Gruppe gibt es eine eigene Dynamik, müssen Hierarchien geklärt und Konflikte ausgetragen werden. Jeder muss darin erst einmal seinen Platz finden.

Was für eine Rolle hatten Sie in Ihrer Klasse? Waren Sie der Klassenclown? Oder der Klassensprecher? Streber oder Rebell? Außenseiter oder mittendrin? Leithammel oder Mitläufer? Und in der Clique?

Egal, wie unsere Erfahrungen waren und sind: wir alle haben eine tiefe Sehnsucht danach, in einem sozialen Gefüge den richtigen Platz zu finden. Die Blicke und Meinungen der anderen beschäftigen uns, manchmal definieren wir uns regelrecht darüber, wie andere uns sehen. Das kann ganz schön anstrengend sein und verunsichern. Wieviel leichter wäre es, wenn wir in uns selber ruhen und selbst-sicher sein könnten!

Die Psalmen, diese uralten Lieder, sprechen oft davon, dass wir bei Gott Hilfe und Schutz finden, dass er zuverlässiger ist, als Menschen es sind. Gott macht uns frei. Wenn wir auf Ihn vertrauen, brauchen wir das Urteil und die Anfeindungen von Menschen nicht zu fürchten. Bei Ihm gibt es mehr Sicherheit und stärkeren Schutz als bei Menschen (vgl. Psalm 118).

Ich erlebe das auch so: Lob und Zuneigung meiner Umwelt tun mir gut, aber ich darf mich nicht davon abhängig machen. Ich laufe nicht in irgendeinem Rudel hinter irgendjemandem her. Ich habe nur einen Herrn: Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden. Drunter tue ich es nicht. Alle anderen Gruppen sind schön, und ich ordne mich auch ein. Aber kein anderer hat mir wirklich etwas zu sagen!

 

5 Comments


  • Sehr schön, der Gottesbezug in diesen Überlegungen. Er erinnert mich an einen meiner Aphorismen:

    Wer sich Gott unterwirft
    kann von niemandem sonst
    wirklich unterworfen werden.

    • Beim Wort „unterwerfen“ läuft es mir kalt über den Rücken: Will ein liebender Vater“ wirklich, dass sich ein Kind „unterwirft“? Ich kann mir das nicht vorstellen. Und schon gar nicht einer, der gleichzeitig mein „Freund“ sein soll… Einen Platz unter Freunden das sieht für mich im Optimalfall so aus, dass ich in einer Gruppe bin, in der man sich auf Augenhöhe begegnet. …

  • Barbara Offermann

    Tja, ich schätze, hier prallen unterschiedliche Gottesbilder aufeinander. Ich selber beobachte an mir, wie sich meine Vorstellung von Gott im Laufe meines Lebens verändert. Die Bibel kennt ja viele Bilder. Sie kennt natürlich den großen, unnahbaren Herrscher, dem man sich nur mit Furcht und Zittern nahen kann, und dem man sich unterwerfen muss. Dann kommt Jesus und erzählt von diesem anderen Gott, der dem verlorenen Sohn entgegenläuft und ihn aufhebt und in die Arme schließt, als der sich ihm zu Füßen werfen will.
    Ich glaube, es ist wichtig, dass wir beide Seiten Gottes vor Augen haben. Nur wenn ich weiß, dass Gott unvorstellbar groß ist, kann ich wirklich erahnen, was für ein Wunder es ist, dass ich jetzt durch die Vermittlung Jesu keine Angst mehr vor ihm haben muss.

  • Danke Sr. Barbara. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass heute gerne die unvorstellbare Grösse Gottes vernachlässigt wird. Dabei ist es doch genau diese Grösse und Herrlichkeit, die Gottes Liebe zu uns so unvorstellbar wertvoll macht. Ich bin mir natürlich auch bewusst, dass der Begriff „Unterwerfung“ heute negativ belegt ist. Früher war dem nicht so, auf alle Fälle nicht so krass. Wir kannten damals den Begriff „der liebe Gott“, der ausdrückte, dass Gott eben Gott, unser Schöpfer und Herr ist, ein Herr aber, der uns gleichzeitig so sehr liebt, dass er seine Allmacht nur zu unserem Heil, nie zu unserem Unheil einsetzt. Wir sangen damals gerne das Lied: „Was Gott tut, das ist wohl getan.“ Das war der Ausdruck unseres absoluten Vertrauens in ihn, in seine ganze Liebe wie auch in seine ganze Gerechtigkeit, auch wenn wir uns bewusst waren, dass dieses Vertrauen in der Praxis immer noch sehr schwach, sehr menschlich war.

    • Barbara Offermann

      Nun ja, Herr Fleischer, das ist vielleicht auch eine Frage der Sprache. Ich würde niemals vom „lieben Gott“ sprechen, außer mit kleinen Kindern. Ich sage „Gott ist die Liebe“. Da ist ganz viel drin, von dem, was Sie schreiben, und doch ist es ganz anders.

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