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Trauer
23. März 2016

Heute erzählt das Evangelium vom letzten Abendessen Jesu mit seinen Freunden. Der Evangelist Johannes beschreibt in seinem 13. Kapitel, wie Jesus sagt, einer seiner Freunde werde ihn verraten, denn so sei es prophezeit worden. Natürlich sind alle erschreckt und fragen sich, wer das sein soll. Und dann geschieht das Seltsame:

Der Evangelist Matthäus schildert dieselbe Szene und schreibt weiter: „Jesus anwortete: der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten.“ Das klingt nicht so sehr nach einem Erkennungsmerkmal, denn es gab wohl nur eine Schüssel, also traf dieser Satz auf alle zu. Zumindest hätte man im Nachhinein kaum sagen können, wer es war und wer nicht.

Bei Johannes dreht sich der Satz um: „Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde.“ Und damit auch klar ist, was gemeint ist, fügt Johannes hinzu: „Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn.“

Ganz ehrlich? Ich glaube Matthäus mehr als Johannes! Ich glaube nicht, dass Jesus seinen Verräter ausgesucht hat. Aber heute ist das Johannesevangelium dran, und so werde ich wieder einmal daran rumkauen, dass Johannes uns das so überliefert hat.

3 Kommentare

  1. Admiral sagt:

    Ich möchte hier auf etwas hinweisen:

    Bei Matthäus geht es nämlich weiter mit:
    Judas: Bin ich es etwa?
    Jesus: Du sagst es!

    In beiden Schriftstellen wußte Jesus ganz genau, wer ihn verraten würde. Und er sagt es ihm auch. Für mich ist also die Aussage beider Stellen wenn nicht identisch, dann aber sehr nahe beieinander. Ich sehe nicht die große Deskrepanz beider Stellen, so daß man dem Einen mehr glauben müßte als dem Anderen.

    Die Deutung, daß Jesus den Judas „ausgewählt“ hat habe ich übrigens noch nirgendwo gehört. Das glaube ich auch nicht (da sind wir uns wohl einig). „Der Teufel fuhr in ihn“ besagt doch eigentlich, daß der Plan zum Verrat, der schon längst ihn ihm drin war, sich durch das Wirken des Teufels verfestigt und manifestiert und er ihn deshalb ausführt.

    • Ich hätte Lust, mich jetzt in die exegetische Literatur zu vertiefen, um dem nachzugehen, doch dafür fehlt mir im Moment die Zeit. Klar ist jedoch, dass die drei synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas in der Gegenwart, bzw. in der Vergangenheit formulieren: der mit mir die Hand in die Schüssel taucht, der mit mir gegessen hat… Bei Matthäus wird Judas zwar auch identifiziert, aber nicht durch das gemeinsame Essen. Johannes formuliert nicht nur in der Zukunft sondern auch inhaltlich anders: es ist der, dem ich den Bissen geben werde. Erst danach schreibt Johannes, dass der Teufel in ihn fährt.
      Ich habe eine andere Sichtweise auf das Geschehen: ich glaube, dass Jesus seine Freunde gut genug kannte, um einschätzen zu können, wer verlässlich war, und wer im Zweifelsfall umkippen würde. Ganz ohne göttliche Allwissenheit und ohne den Teufel zu beeinflussen. Für mich ist auch sehr die Frage, ob der Verrat teuflisch war. Ohne den Verrat des Judas keine Erlösung der Welt. Später bei der Verhaftung sagt Jesus, es müsse geschehen, damit der Wille des Vaters sich erfüllt und die Schrift. Judas war nur ein Werkzeug.

  2. Admiral sagt:

    Und das soll natürlich „Diskrepanz“ heißen! 🙂

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