Schwester im Gebet

Frag doch mal… nach dem Schweigen!

Frag doch mal die Schwester, Teil 23:

Wie ist das bei Euch mit den Schweigezeiten? Gibt es das noch, oder ist das heutzutage out?

Oh ja, die gibt es noch, bzw. oh nein, die sind überhaupt nicht out!

Allerdings ist es von Orden zu Orden sehr unterschiedlich, wie und wieviel geschwiegen wird. Man kann ja gemeinsam schweigen, z.B. in der Kirche oder während der Mahlzeiten, oder man kann bestimmte Zeiten und Räume haben, in denen geschwiegen wird. In den monastischen Gemeinschaften ist das Schweigen die Regel und die Zeiten und Orte des Sprechens die Ausnahme. In den „apostolisch-tätigen“ Gemeinschaften ist es eher umgekehrt. Aber auch für uns ist das Schweigen wichtig. Ohne Schweigen und Stille kann unser geistliches Leben nicht wachsen.

In unserer Gemeinschaft haben wir einen relativ großen Spielraum, wie wir unseren Tag gestalten, weil wir sehr unterschiedliche Aufgaben haben und unser Gebetsleben nach der Arbeit richten. Deshalb sind auch unsere Zeiten der Stille verschieden. Eine klassische Möglichkeit im Alltag ist, das persönliche Gebet am Morgen möglichst wortlos zu gestalten, z.B. als Meditation. Später, im Laufe des Tages kommen noch verschiedene gemeinsame Gebetszeiten, da singen und beten wir mit vielen Worten und wenig Stille. Aber am Nachmittag haben wir eucharistische Anbetung für diejenigen, die dann von ihrer Arbeit weg können. Das ist eine besondere Form, in die Stille zu finden: wir betrachten Jesus in der Form des Brotes. Dazu kann man nicht viel sagen, da kann man nur ruhig verharren und staunen, dass Gott uns so nah kommen will.

Abends ist jede von uns so lange tätig und gesprächig, wie es gut und nötig ist. Den Abschluss des klösterlichen Tages bildet die Komplet, das Gebet, das den Tag komplett macht. Wir beten es nicht gemeinsam, weil wir so unterschiedlich zu tun haben. Wenn die eine schon schläft, legt die andere noch mal so richtig mit der Arbeit los. Aber jede beendet den Tag, indem sie ihn zurück in Gottes Hände legt. Nach diesem Gebet sollte Schweigen herrschen bis zum ersten Gebet am nächsten Morgen, d.h. in der heutigen Zeit auch, eigentlich sollte ich dann nicht mehr schnell eine email schreiben oder mal eben ein bisschen auf facebook chatten.

Das ist der Alltag. Zusätzlich haben wir regelmäßig „Besinnungstage“ und Exerzitien – alleine und gemeinsam. Dann geben wir dem Schweigen wesentlich mehr Raum, denn wir wissen und spüren, dass es uns gut tut.

Ruhe gibt mir die Möglichkeit, mich zu sammeln, bei mir zu sein und zu Gott zu finden. Und in dieser Ruhe liegt die Kraft, wieder in die Welt zu gehen.

 

 

3 Comments


  • Es gibt Leute, die vorschlagen, dass man einen Tag im Jahr nichts sagt (nicht spricht), damit man sich wieder aufs Wesentliche im Leben konzentrieren kann.

    • Barbara Offermann

      Interessant. Meiner Erfahrung nach ist es schwierig, ins Schweigen hineinzukommen, wenn man es nicht regelmäßig übt. Jeden Tag eine halbe Stunde zu schweigen ist für mich hilfreich, nein, eigentlich absolut notwendig. Und wenn ich in Exerzitien gehe, brauche ich normalerweise mindestens einen Tag, bevor ich wirklich in der Stille angekommen bin. Aber da sind die Menschen sicher unterschiedlich.

      • Bestimmt. Ich glaube, dass man häufiger versuchen sollte, zu schweigen als nur einen Tag im Jahr.

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