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Ich gebe zu: mit dem heutigen Fest „Christi Himmelfahrt“ tue ich mich schwer.

Dabei ist es durch und durch biblisch! Das Lukasevangelium endet damit, dass der vom Tod auferstandene Jesus den Jüngern in Jerusalem erscheint. Er erklärt ihnen den Sinn seines Leidens und dass sie seine Zeugen sein sollen und den Heiligen Geist empfangen werden. Schließlich heißt es: „Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Bethanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ (Lk, 24, 50-53)

Eine klare Aussage, daran gibt es nichts zu deuteln. Und vielleicht ist es gerade das, was mich stört. Er „wurde zum Himmel emporgehoben“??? Wer, bitte, soll das denn glauben? Da sind meine ersten Assoziationen irgendwelche Monty-Python-Comics. Nein, danke.

Allerdings: wenn ich den Text noch mal etwas nüchterner lese, sieht er eigentlich doch nicht so dramatisch aus. Was ist eigentlich passiert? Die Anhänger Jesu haben ihn nach seinem Tod als lebendig erlebt (verkürzt ausgedrückt), sie reden und essen mit ihm, einzeln, zu zweit, in kleinen und großen Gruppen. Dann verlässt er sie. Aber wohin? Was liegt näher, als dass Jesus jetzt endlich zum Vater gehen kann, zu Gott? Aber wenn jemand bei Gott ist, dann benutzt nicht nur die Bibel, sondern sogar wir heute noch das Bild vom Himmel. Oder meinen Sie etwa die Atmosphäre oder die Stratosphäre, wenn sie einem Kind sagen, der verstorbene Opa sei jetzt im Himmel?

Sehr spannend finde ich dazu eine Fußnote in meiner Bibel. Gerade bei Vers 51/52 steht: „Die Worte ‚und wurde zum Himmel emporgehoben, sie aber fielen vor ihm nieder‘ fehlen bei einigen alten Textzeugen“!

Was bleibt? Jesus segnet seine Freunde und verlässt sie, um zu Gott zurückzukehren. Damit kann ich umgehen, da ist mir nicht mehr so wichtig, was physikalisch geschehen sein mag. Viel wichtiger ist mir die Frage: Wo ist Jesus jetzt? Aber dazu brauche ich wohl kaum in den Himmel zu schauen…

7 Kommentare

    • Ja, ich meine, das ist genau die Frage. Und vielleicht findet jeder Mensch darauf eine andere Antwort. Immerhin sagt Jesus ja „Ich stehe vor der Tür und klopfe an, wer mir auftut, bei dem trete ich ein“. Also müsste sich doch jeder fragen: wo ist in meinem Leben die Tür, die ich öffnen kann, um Jesus einzulassen? Er ist auf jeden Fall ganz nah und möchte mit jedem von uns Gemeinschaft haben. Die Mystiker sagen: je mehr du in dir Raum schaffst, um so mehr Raum nimmt Gott in dir ein.
      Wo er ist? Überall da, wo wir ihn einlassen, denke ich.

  1. Ist Himmelfahrt schwerer zu glauben als Auferstehung?
    Für mich nicht.
    Wenn Jesus Christus auferstanden ist (ist Er), also: erst tot war und dann wieder lebendig – und zwar für immer,
    dann ist Seine Entrückung zum Vater (im Zusammenhang mit allem, was Er darüber gesagt hat) folgerichtig.
    „Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ heißt es in Apg. 1,11. Plötzlich, unbegreiflich, war Er nicht mehr sichtbar. Plötzlich, unbegreiflich, wird Er wiederkommen.
    Wo ist das Problem?

    • Das Problem entsteht da, wo Menschen eine zu plastische Vorstellung von der Formulierung „er wurde zum Himmel emporgehoben“ oder auch „in den Himmel aufgenommen“ entwickeln. In der Bibel steht eben nicht „und plötzlich war er nicht mehr zu sehen“. Auch in der Apostelgeschichte ist es immerhin eine Wolke, die ihn verschwinden lässt. Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt, aber natürlich glaube ich, was an Himmelfahrt geschehen ist: Jesus ist nach seinem irdischen Leben, Tod und Auferstehung wieder mit seinem Vater vereint. Nur drückt die Bibel das in einer Art und Weise aus, die Anlass zu Missverständnissen bietet (Stichwort Fahrstuhl). Und die finde ich hinderlich.

  2. Vielleicht sind die plastischen Vorstellungen ja auch richtig.
    Ich stelle mir im Grunde auch fast alles plastisch vor. Himmelfahrt: Vielleicht wurde Er ja ganz unzweideutig vor den Augen der Jünger erhoben, war plötzlich nicht mehr auf, sondern über der Erde, der verklärte Leib aufleuchtend und im Licht verschwindend…
    Und vielleicht sah es anders aus.
    Nur – daß das Geschehen der Himmelfahrt irgendwie „aussah“, halte ich für gesichert.

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