Pfingstnovene: Gaben

„Es gibt viele Gaben, aber nur den einen Geist.“ – Das ist eine der schönsten Aussagen, die der Apostel Paulus meiner Meinung nach macht, im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12. (Der Text steigert sich nachher noch, es lohnt sich, ihn zu lesen…)

Jeder hat seine Begabung, manchmal sind wir sehr unterschiedlich in unseren Stärken, aber jeder kann etwas, sie kommen alle aus demselben Geist, und alle ergänzen sich: keiner darf fehlen!

„Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“

Ist es nicht das, wonach viele Menschen sich sehen? Wir möchten in unserer ganzen Individualität doch Teil einer Gemeinschaft sein und jeder von uns möchte gebraucht werden. Erst dann fühlen wir uns ganz und wertvoll. Paulus wundert sich nicht darüber, er findet das ganz normal:

„Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten. Das alles bewirkt ein und derselbe Geist, einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

In dieser Woche hat die UISG getagt, die weltweite Vereinigung der Ordensoberinnen. 870 Schwestern waren es, und der Höhepunkt der Tagung war die Audienz mit dem Papst am Donnerstag. Während dieses Treffens haben sie Franziskus vier Fragen gestellt, u.a. die nach dem Diakonat der Frau. Und er hat sich – wie inzwischen bekannt ist – tatsächlich darauf eingelassen und wird jetzt eine Kommission einrichten, die die Frage genauer prüfen soll.

Ja, einem jeden und einer jeden von uns teilt der Geist seine Gaben zu. Gebe Gott, dass wir einander auch die Möglichkeit geben, unsere Gaben einzusetzen.

Bild: facebook-Seite des Ordo Praedicatorum
Die Aufnahme ist nicht aus der UISG,
sondern aus der vorher tagenden
dominikanischen Versammlung DSI.

8 Comments


  • So wie mir der Wortlaut des Papstes und der Kommentar von Vatikansprecher Lombardi bekannt sind (aber auf die Medien ist ja längst nicht immer Verlass) sehe ich keinen Anlass voreilige Schlüsse zu ziehen. Die Frage wird sehr umfassend geprüft werden. Mehr noch nicht.

  • Entschuldigen Sie, aber ich habe Ihren Text tatsächlich so verstanden, als würden Sie unseren Heiligen Vater auch so verstehen, wie viele unserer Medien ihn verstanden bzw. missverstanden haben.

    • Barbara Offermann

      Ich glaube, ein bisschen Gelassenheit täte hier allen Seiten gut: den Befürwortern, die schon so lange hoffen und sich nach Veränderungen sehnen, aber auch den Gegnern, die offenbar jede Veränderung in diesem Bereich fürchten und zum Teil ziemlich heftig jedes Wort abwehren, das auch nur als Zustimmung gedeutet werden könnte. Was soll diese Verbissenheit? Worum geht es denn? Es geht um Frauen, die sich in der Kirche engagieren wollen. Wer könnte etwas dagegen haben? Und ob sich an der Art und Weise etwas ändert, na, das warten wir jetzt mal ab.

  • „Gebe Gott, dass wir einander auch die Möglichkeit geben, unsere Gaben einzusetzen.“ Gebe Gott oder Gebe der Papst??? Ich fände es an der Zeit, diesen Unterschied wieder einzuführen… 😉

    • Barbara Offermann

      Naja, ich habe das mal bewusst etwas offener formuliert. Hier geht es natürlich um den Papst, der eine gewisse Macht hat, Weichen zu stellen. Das geht, wie Stefan Fleischer zu Recht anmerkt, in Trippelschritten, und wir wissen nicht, was dabei herauskommt.
      Was aber jeden Tag passiert und was in unser aller Verantwortung liegt, das sind die Möglichkeiten, die wir einander geben: Eltern ihren Kindern, wenn sie sich loslassen müssen, Stück für Stück, Kinder ihren Eltern, wenn sie sie respektieren und ihnen Raum geben für ihr eigenes Leben. Oder Kollegen, Nachbarn, Verwandte, die einander täglich neu begegnen und immer in Gefahr sind, den anderen auf die Vergangenheit festzulegen: sie alle können einander die Freiheit geben, sich zu entwickeln und ihre Gaben zu entfalten („wow, ich wusste gar nicht, dass du das kannst!“) – oder eben auch nicht.
      Naja, und wie immer bei Gebeten ist es halt so, dass ich zwar Gott bitte, aber das kann ich nicht tun, ohne mich selber zu verändern, nicht wahr?

  • Ich frage mich, gehen wir all unsere Probleme, die privaten, die Probleme der Kirche und die Probleme der Welt, meist zu viel stark von der Frage her an, was WIR wollen, wir alle, Frauen wie Männer, ob Papst oder einfache Gläubige? Sollten wir als Christen uns nicht immer wieder bemühen, uns zu fragen, was will Gott? Wäre nicht das die echte, christliche Selbstverwirklichung, die Verwirklichung des Willens Gottes mit uns? Hat uns nicht unser Herr zu beten gelehrt: „Dein Wille geschehe!“ Und hat er uns eine solche Haltung nicht im Extrembeispiels des Ölbergs vorgelebt. Noch hätte er dort die Möglichkeit gehabt, die Flucht anzutreten. Und auch noch später noch hätte er seine göttliche Macht ausspielen können, um diesen Kelch nicht trinken zu müssen. Könnten wir uns nicht viele Streitereien und Gehässigkeiten ersparen, wenn wir Christen uns wieder mehr unseren eigenen Willen hinterfragen und gemeinsam nach Gottes Willen fragen würden?

    • Barbara Offermann

      Das sehe ich genauso. Allerdings gehe ich mal wohlwollend davon aus, dass in diesem Fall alle Beteiligten durchaus darum bemüht sind, den Willen Gottes zu erkennen. Wir sind doch alle Betende, nicht wahr?

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