Klosterorakel
10. Juni 2016
Erwartungen
24. Juni 2016

Eigentlich wollte ich zu dem Massaker in Orlando nichts schreiben. Was soll man da auch sagen?

Ich bete natürlich für die Opfer, die Toten, Verletzten und Hinterbliebenen. Um den ewigen, bzw. den äußeren und inneren Frieden, um Heilung an Leib und Seele. Ich bete auch für den Täter und alle Sympathisanten, um Heilung ihrer von Hass zerfressenen Seelen, damit die Welt Frieden finden kann.

Aber das ist eine private Sache, über die ich nicht schreiben müsste. Dass ich es jetzt doch tue, liegt an einer Nachricht des Domradios über die Reaktionen der amerikanischen Bischöfe. Dort lese ich, dass nur ein einziger katholischer Bischof in den USA, nämlich der aus Chicago, den Mumm hat, das Tabu Homosexualität beim Namen zu nennen. Alle anderen beten auch (so wie ich) und verurteilen die Tat – haben aber offenbar Probleme mit den Opfern.

Na, und dazu würde ich dann schon gerne etwas sagen.

Meine lieben homophoben Mitchristen, schämt ihr euch nicht? Ja, mir ist Homosexualität auch fremd und man kann über vieles streiten, was Schwulenverbände tun und fordern. Aber wem angesichts dieses Verbrechens nicht die Augen aufgehen, dem ist doch wirklich nicht mehr zu helfen: Hier geht es um Menschen, geliebte Kinder Gottes. Wer anfängt, sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu bewerten, ist doch nur noch einen kleinen Schritt von dem Hass entfernt, der den Nährboden für diese Tat bildete. Die arabische Welt klatscht dem 50fachen Mörder Beifall – sie ist voller Menschen, die nicht selber handgreiflich geworden sind, die aber mit ihrer klaren Haltung offene Gewalt gegen Homosexuelle erst denkbar macht.

Und wo ist unsere klare Haltung? Wo sind die Christen, die mit lauter Stimme verkünden, dass Gott jeden Menschen liebt? Diese Botschaft haben wir doch empfangen, und zwar, damit wir sie weitergeben: Wir alle, wirklich jeder und jede einzelne von uns ist Gottes geliebtes Kind. Völlig unabhängig davon, wie wir sind und was wir tun! Selbst wenn wir gegen Gottes Gebot verstoßen, liebt er uns immer noch und sehnt sich nach uns. Und niemals hat ein Mensch das Recht, sich über einen anderen zu erheben, zu urteilen – und schon gar nicht, ihn zu töten.

So klar und einfach kann man die Worte Jesu zusammenfassen. Und ich empfinde es als Armutszeugnis, wenn unsere Bischöfe sich in einer so schweren Stunde darum herum drücken.

12 Kommentare

  1. Ich glaube, wir Christen sollten das Wort „homophob“ unbedingt vermeiden. Es ist ein Schlagwort, ein Totschlagargument, gegen alle, welche die Haltung, und die dahinter stehende Weltanschauung der Homoaktivisten nicht teilen, welche glauben, die ausgelebte Homosexualität – genauso wie jedes andere Ausleben der menschlichen Sexualität ausserhalb der Ehe –widerspreche im Grundsatz dem göttlichen Gesetz (was noch lange kein Urteil im konkreten Einzelfall darstellt). Man versucht alle Kritiker mundtot zu machen, indem man ihnen pauschal Hass unterstellt. Viele plappern dies heute nach, ohne sich bewusst zu sein, was eigentlich dahinter steckt.

    • Nun, zunächst mal ist „homophob“ einfach die Bezeichnung für die Angst vor der Homosexualität. Wie weit die geht und wie sie sich auswirkt, ist damit noch gar nicht gesagt. Phobie bedeutet Angst – nicht Hass, das scheint mir gerade in diesem Kontext ein ganz wichtiger Unterschied zu sein. Viele Menschen sind homophob in dem Sinne, dass sie mit Homosexuellen fremdeln, wie eben die Bischöfe, um die es im Speziellen geht – deswegen hassen sie sie aber noch nicht und werden auch nicht aggressiv.
      Wie dem auch sei: wenn das Wort so unglücklich ist – was wäre eine Alternative?

  2. Wikipedia schreibt: „Homophobie (von griech. ὁμός homós: gleich; φόβος phóbos: Angst, Phobie) bezeichnet eine soziale, gegen Lesben und Schwule gerichtete Aversion bzw. Feindseligkeit. Homophobie wird in den Sozialwissenschaften zusammen mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Sexismus unter den Begriff „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gefasst und ist demnach nicht krankhaft abnorm bedingt.“

    Ethimologisch ist Ihre Definition sicher richtig. Im heutigen Sprachgebrauch aber ist der Begriff gelinde gesagt sehr negativ belegt. Mit ist er bisher immer nur als Mittel zur Diskriminierung Andersdenkender begegnet.

    • Das verstehe ich. Damit sind wir wieder bei der Frage: was ist die Alternative? Wie bezeichnen Sie Menschen, die Homosexuelle keineswegs hassen, die auch nicht offen aggressiv werden, die aber eine diffuse Abneigung spüren und deshalb z.B. in diesem Fall nicht die gleiche Solidarität zeigen wie bei einem Attentat aus religiösen, rassistischen oder anderen Motiven?

      • Auf alle Fälle nicht mit „homophob“, denn damit würde ich diese Personen in die gleiche Ecke stellen wie z.B. die Rassisten und Sexisten. Warum muss man solche Personen überhaupt mit einem Wort (dis)qualifizieren? Warum kann man nicht zuerst einmal Verständnis zeigen? Meines Erachtens wäre das der weitaus bessere Weg zu einer grösseren Toleranz unter uns Menschen.

        • Oh, ich habe Verständnis, durchaus. Ich habe auch Verständnis dafür, wenn Menschen eine Scheu vor Menschen anderer Hautfarben haben oder wenn sie bestimmte Bilder vom anderen Geschlecht im Kopf haben. Dafür gibt es viele Erklärungen, die ich durchaus verstehe.
          Aber dabei will ich nicht stehen bleiben!
          Spätestens nach einer Tat wie in Orlando sollten „diese“ Menschen anfangen nachzudenken. Sie sollten über ihren eigenen Schatten springen und erkennen, dass ihre Haltung der Nährboden für Hass und Gewalt ist. Für beides darf in einer zivilisierten Gesellschaft kein Platz sein. Und nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ fordere ich eben auch schon von denen ein klares Bekenntnis, die noch nicht selber nach dem Gewehr greifen. „Diese“ Menschen sollten sich für Toleranz aussprechen, für die Gleichwertigkeit aller Menschen – oder sie sollten beim Namen genannt werden. Wer andere wegen ihrer Eigenschaften nicht toleriert – wieso sollte der ein Recht haben, selber wegen seiner Meinung toleriert zu werden?

  3. Nur, indem man diesen Menschen den nassen Waschlappen um die Ohren schlägt, wird man sie nicht bekehren. Im Gegenteil. auch das schafft Hass.
    Und wenn eine bestimmte Gruppe null Toleranz gegenüber meiner persönlichen Glaubensüberzeugung proklamiert, wenn sie all jene massiv angreift und mundtot zu machen versucht, welche ihre Weltanschauung als objektiv falsch, d.h. dem Schöpferwillen Gottes widersprechend, betrachten, dann wird es schwierig, selber weiterhin tolerant zu bleiben. Dabei wissen diese Leute ganz genau, dass sie mit ihrem Angriff auf meine Person den Sack schlagen, aber den Esel, unsere römisch-katholische Kirche und ihre Lehre meinen. Ich kenne viele Menschen mit einer homosexuellen Neigung, welche sich durch diese Intoleranz der Homolobby angeekelt fühlen, aber massiv unter Druck gesetzt werden, damit sie sich nicht öffentlich äussern. Auch das ist ein Aspekt in der ganzen Frage.
    Dabei unterscheidet unsere Kirche sehr genau zwischen einer homosexuellen Neigung und dem Ausleben dieser Neigung und auch ganz klar zwischen dem Tatbestand und der Schuldfrage, von welcher sie deutlich sagt, dass sie das Urteil Gott überlässt. Und zudem lehrt unsere Kirche immer noch, dass auch das Ausleben einer heterosexuellen Neigung ausserhalb der Ehe objektiv dem Willen Gottes widerspricht. Auch hier ist das Urteil im Einzelfall eine ganz andere Frage. Sex ist nun einmal nach der Glaubenslehre unserer Kirche kein Menschenrecht, sondern eine Gabe Gottes, die wir zum Nutzen der ganzen menschlichen Gemeinschaft nutzen und geniessen sollen, und nicht einfach zur „Selbstbefriedigung“.

    • Ich fürchte, wir kommen vom Thema ab. Die Aggressivität der „Homolobby“ (auch das ist nicht gerade ein freundliches und wertschätzendes Wort, aber das nur in Klammern) gegenüber der Kirche finde ich auch unerfreulich, aber das habe ich in meinem Artikel ja bereits angedeutet. Darum geht es nicht!
      Es geht um Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung angegriffen und ermordet worden sind – nicht wegen ihrer Aggressivität gegenüber unserer Kirche.
      Und dann ist die Frage nicht: „Gibt es Homosexuelle, die in ihrem Wunsch nach Anerkennung ihrer Rechte zu weit gehen?“, sondern die Frage ist, ob wir uns aufraffen, ein solches Verbrechen zu verurteilen, uneingeschränkt, klar und laut.
      Das kann ich bei Ihnen nicht erkennen, tut mir leid. Überlegungen, ob die Neigungen der Opfer dem Willen Gottes widersprechen, finde ich absolut unangebracht. Mord ist Mord – und widerspricht dem Willen Gottes auf jeden Fall!

  4. Nein, wir kommen nicht vom Thema ab. Sie bestätigen mir, was ich von Anfang an gespürt habe, dass Menschen wir ich in Ihren Augen „homophob“, also schlechte Menschen sind. Sie vergessen dabei nur, dass auch Sie in den Augen der Homoaktivisten „homophob“ sind, nur deshalb, weil Sie Vertreterin jener Kirche sind, welche sich immer noch weigert, die Sünde des ausserehelichen Geschlechtsverkehrs abzuschaffen und ein Menschenrecht auf Sex anzuerkennen. Meine Kritik wendete sich immer nur gegen die Verwendung dieses Begriffes für Ihre Glaubensschwestern und -brüder.

    • Ich bin nicht berechtigt und habe auch kein Interesse daran, jemanden als „schlechten Menschen“ zu klassifizieren. Wenn ich jemanden als „homophob“ bezeichne, dann meine ich damit, dass er oder sie Angst vor Homosexualität hat – nicht mehr, nicht weniger. Darin liegt zunächst mal keinerlei moralische Wertung! Das unterstellen Sie mir nur.
      Mein Vorwurf bezieht sich nicht auf die Angst oder Scheu oder wie auch immer gearteten Vorbehalte, die jemand haben mag. Mein Vorwurf bezieht sich auf das daraus folgende Verhalten: Wenn jemand Opfer eines Verbrechens wird, muss ich ihm beistehen, ob er mir sympathisch ist oder nicht. Und die Einstellung „der ist fies zu mir, also muss ich auch nicht nett zu ihm sein“ ist zwar überaus menschlich, aber eben nicht christlich.

      • Es tut mir leid. Aber sie bereifen immer noch nicht. „Homophob“ ist kein harmloser Begriff. Im aktuellen Sprachgebrauch ist das eindeutig ein massives Schimpfwort einerseits, und andererseits eine Waffe jener Genderideologie, welche ihre Weltanschauung mittels Meinungsterror durchzusetzen versucht. Wenn dieses Wort mir von Homoaktivisten ins Gesicht geschleudert wird, ist das noch irgendwie erträglich. Aus dem Mund einer römisch-katholischen Ordensfrau hätte ich das niemals erwartet. Gerade eine solche sollte eigentlich wissen, dass es nicht nur wichtig ist wie man das Gesagte meint, sondern nicht zuletzt auch wie es beim Gegenüber ankommt. Aber brechen wir hier ab. Ich habe Ihnen verziehen. Falls ich Sie beleidigt haben sollte, bitte auch ich Sie um Verzeihung und kann Sie versichern, dass meine Intervention nur in allerbester Absicht erfolgte.
        In der Liebe unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus verbunden
        Stefan Fleischer

        • Susanne Oberhauser-Hirschoff sagt:

          „Genderidiologie“? „Homoaktivisten“?? Mein Lieber, sie befleissigen sich hier eines Jargons der inzwischen eindeutig als Doitschnational enttarnt ist, ein Jargon der gute und berechtigte Anliegen zu diffamieren sucht und diffuse Ängste schürt und bestenfalls von tiefer, abgrundtiefer Ahnungslosigkeit zeugt. Wohlwollend will ich von dieser Ahnungslosigkeit ausgehen.

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