Erwartungen
24. Juni 2016
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1. Juli 2016

Neulich war ich wieder mal länger mit der Bahn unterwegs. Und wie immer, wenn ich viel Zeit auf Bahnhöfen verbringe und wegen der Länge der Fahrt in Zivil bin, hatte ich auch diesmal etliche Begegnungen mit Obdachlosen, Bettlern und Kleinbetrügern. Meistens macht mich diese Not ziemlich fertig. Manchmal unterhalte ich mich auch mit dem ein oder anderen und höre dann von verkorkster Vergangenheit oder von Hoffnungen und Illusionen („…, und dann wird alles besser“) oder dass der Hund an der Seite alles etwas leichter macht. Manches ist fast nicht auszuhalten. Aber hin und wieder gibt es auch Situationen und Typen, die mich trotz dieses Elends schmunzeln lassen:

Auf meiner letzten Etappe stand ein älterer Obdachloser an einer der Ausgangstüren der Bahnhofshalle. Weißer Rauschebart, seinen ganzen Hausrat hoch aufgetürmt auf einem Fahrrad. Er brummelte leise vor sich hin, schien aber nicht übermäßig betrunken zu sein. Da ich ziemlich nah an ihm vorbei musste, habe ich freundlich gegrüßt: „Guten Abend.“ Da ruft er mir nach:

„Schade, Mädchen, du kommst 20 Jahre zu spät!“

4 Kommentare

  1. Was er wohl gesagt hätte, wenn du im Habit gewesen wärst…?

  2. War das schon auf dem Weg zu uns oder erst auf Ihrem Weg nach Hause?

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