Bote sein

Angesichts des jüngsten Bombenattentates fehlen mir die passenden Worte.

Doch ich weiß, dass wir als Christen nicht stehenbleiben. Wir „hoffen wider alle Hoffnung“, wie der Apostel Paulus schreibt, wir „glauben an Zunkunft“, wie wir Dominikanerinnen von Bethanien das nennen. Deshalb möchte ich etwas zitieren, was ich so schön selber nicht hätte formulieren können:

„Seht, ich sende meinen Boten…“
Und wenn dieser Bote – ich wäre?

Bote deiner Zärtlichkeit
für einen, den keiner lieb hat,

Bote der Freude
für einen, der immer scharz sieht,

Bote deines Friedens
für einen, den der Groll über erlittenes Unrecht umtreibt?

Gib mir, Empfänger und Sender zu sein
für Botschaften aus der Quelle des Lebens.

Maria Otto / Ludger Hohn-Morisch (Hrsg.): Das Lächeln Gottes, Herder-Verlag

3 Comments


  • „Wir glauben an Zukunft“. Ich weiss, liebe Schwester Barbara, dass die Grundlage für diese Aussage für Sie und Ihre Gemeinschaft unsere christliche Hoffnung, unser Vertrauen auf Gott, den Allmächtigen ist. Auf dieser Basis ist das ein wunderbarer Text. Ich erlebe aber in meiner Umgebung immer mehr Menschen, deren Glauben an Gott kaum noch konkret, und deren Hoffnung und Vertrauen auf Gott deswegen kaum noch tragfähig sind. Sie wissen oder glauben nicht mehr: „An Gottes Segen ist alles gelegen!“ oder sie weigern sich dies zu glauben weil dies Konsequenzen für ihr Leben haben könnte. Für sie riskieren solche Aussagen immer mehr zu einer Art Psychopharmaka gegen die Lebensrealität des Bösen in der Welt zu werden. Deshalb sollten wir, so glaube ich, uns ganz bewusst darum zu bemühen, was uns Petrus ans Herz legt: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1.Petr 3,15)

    • Barbara Offermann

      Lieber Herr Fleischer, ich gestehe, dass ich Ihnen nicht so ganz folgen kann. Also, so im allgemeinen schon, nur der Bezug zu diesem Text, den kann ich nicht mitvollziehen. Die „Lebensrealität des Bösen“ finde ich ziemlich deutlich in der Aufzählung des Textes: Lieblosigkeit, Depression, Friedlosigkeit. Gegen diese Realität, die auch diejenigen erleben, die sich mit dem Glauben an Gott womöglich schwer tun, setzen wir die Aussage: „Es könnte sein, dass Gott dich, gerade dich berufen hat, etwas dagegen zu tun.“ Und ich finde die drei Beispiele relativ konkret – also, für einen so poetischen Text: Zärtlichkeit, Freude und Frieden verbreiten. Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Wort „Psychopharmaka“?
      Und das Petruszitat ist sehr schön – aber was möchten Sie mir damit sagen?

  • „Hoffen wider alle Hoffnung“, „Glauben an Zukunft“ das können wir einerseits, wenn wir unsere Hoffnung, unser Vertrauen auf Gott setzen. Das können wir aber auch, wenn wir Gott ausklammern, wenn wir unsere Hoffnung auf uns selbst und/oder andere Menschen setzen. Im ersten Fall ist unsere Hoffnung christlich, d.h. realistisch. Im zweiten Fall ist unsere Hoffnung eine Illusion, „Opium für das Volk“ oder eben, ein Psychopharmaka, das uns die Lebensrealität des Bösen in der Welt und in uns selber vergessen, verdrängen hilft. In diesem Fall konzentrieren wir uns auf die Folgen des Bösen wie Lieblosigkeit, Depression, Friedlosigkeit, in der Hoffnung durch eine solche Symptombekämpfung das Böse selbst, die Sünde, ausrotten zu können. Christliche Hoffnung setzt auf Wurzelbehandlung könnte man sagen. Ihr Grund ist die Glaubenswahrheit, dass Christus nicht gekommen ist, eine bessere Welt hier und jetzt zu schaffen, sondern – wie es der Verkündigungsengel sagt: „Er wird sein Volk aus seinen Sünden erlösen“. (und ihm so den Zugang zur ewigen Heimat wieder zu eröffnen). Eine solche bessere Welt hier und jetzt ist nur die Folge der Erlösung und nur so weit möglich, als der Mensch sich von Christus erlösen lässt. Wir müssen also bereit sein, für diesen tiefen Grund unserer Hoffnung, für diesen einzig erfolgversprechenden Weg in eine bessere Welt, Red und Antwort zu stehen, wo man uns – direkt oder indirekt – danach fragt. Das ist unsere Aufgabe, verbunden natürlich damit, dass zuerst wir selbst umkehren und uns erlösen lassen und dann (als aus der Sünde Erlöste) so leben, dass man uns nach diesem Grund fragt.

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