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Frag doch mal die Schwester, Teil 27:

Wer hat das Chaos erschaffen?

Diese Frage ist mir schon vor einiger Zeit gestellt worden. Damals hatte ich über die Ordnung geschrieben, ein Grundbedürfnis des Menschen. Dazu gab es einige Kommentare, wie viel Ordnung und wie viel Chaos die Einzelnen brauchen, und schließlich die Aussage: „Chaos heißt Schöpfung und hat eine eigene innere Ordnung.“ Als ich ein wenig spontan antwortete, die Schöpfung sei eher der Kosmos, der aus dem Chaos entsteht, kam die Frage „Und wer hat dann das Chaos erschaffen?“

Jetzt muss ich gestehen, dass ich etwas voreilig war. Denn wenn man in der Bibel nachliest, dann findet man dort zwei Schöpfungserzählungen, von denen nur eine vom Chaos spricht. Genauer gesagt heißt es dort, die Erde war „wüst und leer“ (Genesis 1, 1-5), damit ist genau das gemeint, was wir Chaos nennen. Gottes Geist „schwebt über dem Wasser“, dann beginnt er, alles zu ordnen und zu erschaffen. Der Kosmos (griech. für Weltordnung, Universum) entsteht.

Nur – der allererste Satz der Bibel lautet eben: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ Dann beginnt die detaillierte Aufzählung des Schöpfungswerkes: Gott erschafft durch sein Wort Licht und Dunkel, Land und Meer, verschiedene Arten von Pflanzen, Sonne, Mond und Sterne, Vögel und Wassertiere, dann die Landtiere, schließlich den Menschen.

Es ist also beides richtig: Schöpfung bedeutet das Ordnen des Chaos zum Kosmos. Aber auch das allererste Chaos ist (laut Bibel) schon von Gott geschaffen. Natürlich ist das alles eine Glaubensaussage, kein naturwissenschaftlicher Bericht. Deshalb ist die nächste Frage: was heißt das für uns?

Ich merke, dass ich Ordnung brauche, das Bedürfnis danach ist in jedem Menschen tief verwurzelt. Aber Gott hat alles erschaffen, er geht auch mit dem Chaos souverän um. Es ist sozusagen die Grundmaterie, ohne die der Kosmos nicht entstehen könnte. Wenn ich demnächst mal wieder seufzend vor meinem Schreibtisch stehe, werde ich versuchen, mich daran zu erinnern: auch über wüsten und wirren Ebenen schwebt der Geist Gottes.

2 Kommentare

  1. Manche Menschen mögen das Chaos, ich gerade eher nicht…

    • Vermutlich kommt es v.a. auf das Maß an. Ein bisschen Chaos kann durchaus förderlich für die Kreativität sein. Wenn man hingegen vor lauter Chaos nicht mehr Papier und Farben, bzw. seinen PC findet, dann war es wohl ein wenig zu viel… 🙂

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