Brückenbauer
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Vor 150 Jahren: eine schwere Entscheidung
1. August 2016

Ein Jubiläum bietet die Gelegenheit, Pause vom Alltag zu machen, kurz zurückzuschauen und sich zu fragen: was sollte das Ganze eigentlich ursprünglich?

An diesem Punkt sind wir in Bethanien wieder einmal: im August jährt sich unsere Gründung in Frankreich zum 150. Mal. Der Weg dahin war nicht einfach, aber unser Gründer, Jean Joseph Lataste, war damals ein junger Mann, gerade 33 Jahre alt. Er war noch keine acht Jahre Mitglied im Dominikanerorden und von einer Idee inspiriert, die ihn nicht mehr losließ:

In einem Frauengefängnis in Cadillac hatte Pater Lataste 1864 (gezwungenermaßen) Besinnungstage gehalten. Dabei war er überrascht worden von der Frömmigkeit und Reue der Frauen, und plötzlich kam ihm die Eingebung: Gott vergibt diesen Frauen, wenn sie wirklich bereuen. Für Ihn zählt nicht die Vergangenheit sondern nur die Gegenwart, nicht, wie oft wir schuldig geworden sind, sondern nur, wie sehr wir Ihn lieben. Wäre es anders, hätte die Kirche einige große Heilige weniger: Petrus, Paulus, Maria Magdalena, Augustinus… Sie alle waren große Sünder, bevor sie durch Jesus einen neuen Anfang wagten und heilig wurden.

Pater Lataste möchte nun eine Ordensgemeinschaft gründen, in der Frauen, die ihre Ehre verloren haben, als gleichberechtigte Schwestern mit unbescholtenen Frauen zusammenleben können. Einrichtungen für „gefallene Mädchen“ gab es im damaligen Frankreich viele; meistens eine Art von Besserungsanstalt, in der die Frauen durch ein strenges Leben bekehrt werden sollten. Bethanien soll anders sein. P. Lataste setzte die Bekehrung bereits voraus, denn sie ist nichts, was man durch klösterliche Zucht erzwingen könnte oder machen müsste. Gott schenkt uns die Bekehrung, wir müssen sie nur annehmen – und dann entsprechend leben. Deshalb sollen auch nicht die „reinen“ Schwestern die „gefallenen“ betreuen. In Bethanien soll es nur eine Sorte Schwestern geben, denn „es ist dieselbe Hand, die die eine nach dem Fall aufhebt und die andere vor dem Fall bewahrt“.

Dieser Gedanke ist so revolutionär, dass manche ihn erst nicht richtig verstehen und etliche die Idee ablehnen. Auch im Orden gibt es Widerstand. Doch er erhält auch viel Zuspruch und so lässt Pater Lataste in seiner Anstrengungen nicht nach. Denn er ist überzeugt: „Bethanien ist Gottes Werk“.

 

Teil 2 der Jubiläumsreihe folgt am Montag, dem 1.8.

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