Vor 150 Jahren: ein Haus ohne Gitter

Dritte Folge unserer Jubiläumsreihe „Vor 150 Jahren“

Inzwischen hat der junge Dominikaner Jean Joseph Lataste also eine Partnerin für sein Werk Bethanien gefunden – auch wenn man das 1866 natürlich nicht so nannte. Für die Schwestern werden er und Sr. Henri Dominique vielmehr zu Vater und Mutter Stifterin. Wobei er nicht müde wird zu betonen: „Bethanien ist nicht mein Werk. Es ist Gottes Werk.“

Aber noch stehen die beiden ganz am Anfang dieses Werkes. Es ist der 13.Mai 1866, als Pater Lataste und Mutter Henri Dominique sich einig werden. Sie haben bereits zwei Kandidatinnen, die sich in einem Kloster in Nancy auf ein Leben in Bethanien vorbereiten, dazu kommt noch Sr. Marguerite, die mit Mutter Henri Dominique von einer anderen Gemeinschaft kam. Was sie allerdings noch nicht haben, ist ein Haus!

Sie fangen sofort mit der Suche an, besichtigen einiges, ohne Erfolg. Schließlich ist es schon Juli und P.Lataste setzt dem Himmel eine Frist: wenn er bis zum 22. Juli, dem Gedenktag der Hl. Maria Magdalena, ein Haus finden wird, dann soll Bethanien dieser besonderen Frau geweiht sein. Sie ist ja diejenige, die ihn inspiriert und von der unendlichen Barmherzigkeit Gottes überzeugt hat. Aber wird sie auch ein Haus besorgen?

Es ist ein kleines altes Schloss in einem Park in dem Städtchen Frasne, das ihnen schließlich günstig angeboten wird. Gerade noch rechtzeitig, bevor sich Bethanien eine andere Patronin suchen müsste, findet M.Henri Dominique das Haus, am 21. und 22. ist Besichtigung, am 23.7. unterschreibt P.Lataste den Vertrag.

Nun braucht es noch einige Vorbereitungen, und am 9.August 1866 ziehen die ersten Bewohnerinnen in Frasne ein: Vater und Mutter Stifter, Sr. Marguerite und einige Laiendominikanerinnen. Dabei prägt M. Henri Dominique eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat: vor allen anderen wird eine Statue des hl. Josef in das neue Haus getragen. Er hat die heilige Familie beschützt, ohne ihn wäre die junge Frau Maria wohl als Ehebrecherin gesteinigt worden. Nicht nur Maria musste „Ja“ sagen, auch Josefs „Ja“ war zur Menschwerdung Gottes nötig. So soll er in Bethanien besonders als Beschützer geehrt werden.

Andere Klöster haben in dieser Zeit Gitter, um die Abgeschiedenheit von der Welt zu zeigen und auch praktisch zu vollziehen. Auch die Schwestern in Bethanien wollen zurückgezogen leben, aber hier soll es keine Gitter geben, um nicht an die Gefängnisse zu erinnern, aus denen die ein oder andere der Frauen kommen mag.

Der Anfang ist sehr schlicht, ja, eigentlich fast armselig. Doch das stört niemanden, und nach wenigen Tagen, am Abend des 13. August, können die beiden ersten Postulantinnen kommen. Am 14.August 1866 beginnt dann in Frasne das regelmäßige Gemeinschaftsleben, mit Gebet und Arbeit, Mahlzeiten und Ruhe. Das ist unser Gründungstag, den wir in diesem Jahr feierlich begehen wollen.

Berichte vom Fest folgen in der nächsten und übernächsten Woche.

 

 

 

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