150 Jahre: auf geht’s

Morgen früh fahren wir los, mit Ziel Montferrand-le-Chateau in der Nähe von Besancon. Ich habe ja schon über unser 150-jähriges Jubiläum geschrieben, und jetzt geht es endlich auch ans Feiern. Fast 40 Schwestern werden von uns dabei sein, wenn wir sozusagen an unsere Quelle fahren. Das ist wirklich nicht selbstverständlich – und nicht nur, weil es so weit weg ist.

Pater Lataste hat Bethanien ja in Südfrankreich gegründet, in Frasne-le-Chateau. Das war am 14. August 1866, und er hatte nicht einmal drei Jahre Zeit, die Gemeinschaft aufzubauen. Am 10. März 1869 ist er in Frasne gestorben, und Mutter Henri Dominique übernahm die Leitung. Ein Jahr nach seinem Tod sind die Schwestern dann nach Montferrand umgezogen, weil das Haus in Frasne zu klein geworden war. Dorthin fahren wir morgen.

Allerdings ist das nicht unser Mutterhaus, denn im Ersten Weltkrieg mussten die deutschen Schwestern Montferrand verlassen. Sie waren ja jetzt der „Feind“. Sie versuchten, nach Deutschland zurückzukehren, blieben aber an der niederländischen Grenze hängen und bezogen dort ein Haus. Durch die Kriegswirren und mit der Zeit entfremdeten sich die beiden Gruppen und die deutschen Schwestern machten sich selbständig. So entstand eine zweite Kongregation, die Dominikanerinnen von Bethanien von Venlo – in Abgrenzung von den Dominikanerinnen von Bethanien von Montferrand. 

Man kann sich vorstellen, dass zwischen dem französischen Mutterhaus und seinen abtrünnigen Töchtern eine ziemliche Spannung herrschte. Als ich in den Orden eintrat, habe ich das nur noch erzählt bekommen. Erlebt habe ich die Entspannung.

Heute sind wir froh, dass wir einander haben, und dass wir unser spirituelles Erbe teilen können. Ein Höhepunkt dieser Gemeinsamkeit war mit Sicherheit die Seligsprechung von P. Lataste im Jahr 2012 in Besancon. Jetzt fahren wir also wieder hin, und allmählich fühlt es sich schon ein bisschen wir Zuhause an.

Natürlich werde ich an dieser Stelle noch weitere berichten…

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