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Nein, es geht nicht nur um ein Stück Stoff. Wenn in Frankreich Polizisten an den Stränden kontrollieren, ob die Frauen auch nackt genug sind, dann geht es… ja, worum eigentlich?

Die einen sagen, es gehe um die öffentliche Ordnung. Am Strand hat man schließlich nackt zu sein, das gehört sich so. Und es hat eine schlimme Massenschlägerei gegeben – wobei nicht so ganz klar ist, ob da überhaupt ein Burkini im Spiel war. Aber die Franzosen sind traumatisiert, was jeder versteht, da will man nicht mehr Islam in der Öffentlichkeit als nötig. Denn der Burkini sei ein „religiös motiviertes Kleidungsstück“ und eine „Provokation“, so verkündete es Herr Sarkozy neulich in einer Pressekonferenz.

Ich finde das merkwürdig. Kleidungsvorschriften hat es vermutlich immer schon in allen Kulturen gegeben.  Heute nennt man sie Dresscode, und sie gelten in vielen Situationen, z.B. wenn man in einer Bank arbeitet, im Fernsehen die Nachrichten liest oder eine Kirche betritt. Aber in meiner Kultur ging es früher darum, welche Körperteile man in welcher Form bedecken musste. Noch nie habe ich gehört, dass ein friedlich dösender Badegast gezwungen wird, Kleidung abzulegen. Im Namen der freiheitlichen Gesellschaft, wohlgemerkt!

Dann wird gesagt: diese armen Frauen tragen das ja gar nicht freiwillig. Sie sind unterdrückt, und das wollen wir in unserer freien, gleichberechtigten Gesellschaft nicht. Es mag sein, dass ein Mann dahinter steht, aber wir können es nicht mit Sicherheit wissen, vielleicht will die Frau auch nicht nackt sein. Und falls die Frau tatsächlich gezwungen wird, sich zu verschleiern, was gewinnt sie, wenn wir ihr das Tragen des Burkini verbieten? Nichts. Sie wird einfach künftig nicht mehr baden gehen. In diesem Sinne wäre ein Burkini sogar ein Mittel zur Integration, nicht zur Diskriminierung.

Aber das eigentlich Argument des Herrn Sarkozy ist ein anderes: er will keine religiös motivierten Kleidungsstücke in der Öffentlichkeit dulden. Gar keine. Das ist gute, französische Tradition. In einem laizistischen Staat sind nicht nur Staat und Religion getrennt (das sind sie bei uns auch), sondern die Religion ist Privatsache, sie wird in der Öffentlichkeit höchstens widerwillig geduldet. Aber es gibt kein Recht auf öffentliche Ausübung der Religion. Ist doch egal? Mir ist das nicht egal. Denn wenn das bei uns so wäre, dürfte ich vielleicht auch bald nicht mehr in meinem Ordenskleid in die Öffentlichkeit. Ich kenne Ordensfrauen, die auch im Urlaub ihren Habit nicht ablegen, einfach aus Gewohnheit. Spontan an den Strand, nur zum Spazierengehen…? Wäre uns an den besagten Orten in Frankreich wohl nicht mehr so ohne weiteres möglich. Oder?

Bild: Dieter_Schütz@pixelio.de

5 Kommentare

  1. Ich bin gelernte Übersetzerin. In Frankreich gibt es die Diskussion um die islamische Verschleierung von Frauen ja schon lange und so sprachen wir auch im Berufsschulunterricht darüber. Der einzige männliche Schüler der Klasse wurde von der Lehrerin gefragt, ob er sich eine Freundin mit Kopftuch vorstellen könne, und als er ja sagte, reagierte die Lehrerin mit großem Unverständnis. Sie sagte auch, sie habe Angst vor verschleierten Frauen, weil sie nicht wissen könne, was die alles unter ihrer Kleidung verbergen. Ich hätte sie am liebsten gefragt, ob sie auch Angst vor Nonnen hat.

    • „Was die alles unter ihrer Kleidung verbergen“ kann ich in dem Moment nachvollziehen, wo das Gesicht vermummt ist. Das ist mir auch unheimlich. Ansonsten gibt es die muslimische „Verschleierung“ ja in allen möglichen Varianten, von bunt und luftig bis schwarz und schwer. Aber die Frage nach dem Ordenskleid würde vermutlich nur dazu führen, die alten Klischees gegen Ordensfrauen aufzurühren. Viele Menschen finden die Vorstellung, die Religion Einfluss auf das tägliche Leben nehmen zu lassen, einfach völlig unbegreiflich und antiquiert.

  2. klimaleugner sagt:

    Jeder soll anziehen dürfen, was er will, z.B. einen chiquen Gestapomantel mit Hakenkreuzen. Oder habe ich Sie da möglicherweise falsch verstanden?

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