Adventstour im Laden

„Ach Mensch, ich brauch ja noch dringend Milch und Zahnpasta!“ Blöd, wenn einem sowas abends nach Ladenschluss einfällt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, wo das ständig passierte, weil die Läden schon relativ früh am Abend schlossen, nämlich um 18:30 Uhr. Im Jahr 1989 wurde dann der „Lange Donnerstag“ eingeführt: einmal in der Woche konnte man bis 20:30 Uhr einkaufen. Das war schon eine enorme Verbesserung, weil jetzt auch die Berufstätigen leichter in die Geschäfte kamen. Schon damals habe ich gedacht, dass das bestimmt eine ätzende Zusatzbelastung für die Verkäuferinnen sei. Aber der Nutzen für die Kunden war dann doch erheblich größer.

Nun, das ist über ein Vierteljahrhundert her. Inzwischen hat sich viel getan, vor allem der rund-um-die-Uhr-Handel im Internet setzt die Händler unter Druck. Heute hat sogar mein ganz normaler Supermarkt um die Ecke an sechs Tagen in der Woche länger auf als in meiner Jugend das größte Kaufhaus am Ausnahmetag. Der Umsatz ist dabei nicht gestiegen – wieso auch? Man kann schließlich jeden Euro nur einmal ausgeben.

Für mich als Kundin wird das Einkaufen immer bequemer, für die Verkäuferin werden die Arbeitszeiten immer stressiger, besonders jetzt im Advent, wo alle einkaufen, als bräche morgen die Staatskrise aus. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der wir uns immer mehr unter Druck setzen, damit wir immer mehr konsumieren können. Haben wir da noch das richtige Maß?

Hin und wieder gehe ich tatsächlich auch zu Zeiten einkaufen, die ich eigentlich unmöglich und vor allem unnötig finde. Dann frage ich manchmal die Kassierin beim Abschied, wie lange sie noch bis zum Feierabend hat. Den meisten tut diese Anteilnahme gut – wenn sie schon am Samstagabend arbeiten müssen statt über den Weihnachtsmarkt zu laufen oder gemütlich zu Hause in den Adventskranz zu schauen.

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  • Meine Mutter ist eigentlich gelernte Verkäuferin. Als sie nach Schweden auswanderte, hat sie aber zur Köchin umgeschult, weil die Zeiten in Schweden NOCH schlimmer wären als hier. Von frühmorgens bis spätabends haben die Läden geöffnet und zwar 7 Tage die Woche.

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