Adventstour im Kaufrausch

Heute berichte ich aus dem Laden von Usch Freitag. Es ist ein kleiner Laden, sozusagen klitzeklein, am Marktplatz unseres kleinen Ortes, und ich finde ihn wunderbar. Usch verkauft antiquarische und neue Bücher sowie Devotionalien. Außerdem gibt es hier so verspielten frommen Schnick-Schnack, Kleinigkeiten, die man Kindern zur Erstkommunion schenkt, wenn das Hauptgeschenk 100 Euro sind und man irgendwas Nettes, Buntes dazutun will: Taschenlampen mit der Aufschrift „Jesus ist das Licht“ oder so. Dieser kleine Laden ist vielleicht nicht lebensnotwendig, aber er bringt entschieden mehr Farbe und Wärme in den Ort.

Usch singt auch im Kirchenchor, und zwar mit großem Einsatz. Aber als wir neulich ein Konzert hatten, ein offenes Adventssingen, da musste sie absagen. Die Kirche war rappelvoll, es war sozusagen der ganze Ort da. Bei vielen Liedern konnten die Leute auch mitsingen, richtig schön, tolle Stimmung. Aber Usch – wie gesagt – fehlte. Sie musste arbeiten, denn die Ortsgemeinde hatte den ersten Advent zum verkaufoffenen Sonntag erklärt. Nach dem Konzert bin ich dann zu ihr, der Laden ist nur 50 Meter von der Kirche entfernt, und hab meine Fotos gemacht. „Wie ist der Umsatz?“ Ein müdes Lachen. Es heißt, der Einzelhandel mache an den vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr drei Prozent seines Jahresumsatzes. Bis in unseren Ort hat sich das aber offenbar noch nicht rumgesprochen. adventstour-14-ladenschluss-2

Jetzt frage ich: ist das wirklich nötig? Müssen wir jetzt selbst auf den Dörfern so tun, als wäre shoppen das Einzige, womit man seinen Sonntag verbringen kann? Ja, ich weiß: „Es sind doch nur vier im Jahr!“ Aber ich wohne an der Grenze zu den Niederlanden. An bestimmten Feiertagen, an denen bei uns die Geschäfte zu, aber bei unseren Nachbarn geöffnet sind, bilden sich auf der Autobahn nach Roermond regelmäßig Staus. Ich will ja niemanden nötigen, in ein geistliches Konzert zu gehen, aber bitte: fällt uns denn gar nichts anderes mehr ein, was wir an Sonn- und Feiertagen tun können? Dabei geht es mir nicht nur um die Verkäuferinnen und Ladenbesitzerinnen, das auch. Aber ich frage mich manchmal, ob wir nicht viel verlieren, wenn wir es nicht mehr aushalten, dass da ein Tag in der Woche ist, der einfach anders ist, besonders, an dem man nicht seinen Geschäften nachgehen kann und braucht.

Vielleicht liegt das Problem darin, dass es ursprünglich um eine Befreiung von der Arbeit für den Gottesdienst ging. An einem Tag der Woche und zu besonderen Festen sollten die Menschen nicht arbeiten müssen, um Zeit für die Begegnung mit Gott und die Versammlung der Gemeinde zu haben. Heute haben viele Menschen diesen Bezug nicht mehr. Damit bleibt an Sonn- und Feiertagen die Freiheit VON der Arbeit, ohne das geklärt wäre, WOFÜR diese Freiheit gebraucht wird. Es bleibt ein Vakuum, das mit vielem gefüllt werden könnte: Familie, Kunst, Musik, Sport, Entspannung. Ich bin überzeugt, dass es auch den nicht kirchlich engagierten Menschen gut täte, sich diesen besonderen Tagen auszusetzen, statt „business as usual“ zu betreiben.

Und was tust du an deinen freien Tagen?

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