Adventstour mit Feuer

Neulich habe ich in einem Beutel Teelichter eine interessante Entdeckung gemacht: ein Teelicht ohne Docht. „Ja nu“, werdet ihr sagen, „is halt eine Fehlproduktion, so was kommt vor“. Aber ich dachte sofort, dass darin eine tiefe Botschaft steckt.

Denn dieses Teelicht ist schön, es steht seither auf meinem Schreibtisch (um mich daran zu erinnern, dass ich noch diesen Beitrag schreiben muss), so dass ich das immer wieder sehe: es ist bestechend in seiner schlichten und perfekt ebenmäßigen Form und Farbe. Silbern und weiß, makellos rund und glatt schimmernd, einfach schön anzusehen.

Nur ist es natürlich vollkommen nutzlos.

Und das hat mich auf den Gedanken gebracht, ob es uns Menschen nicht manchmal auch so geht. Nein, keine Sorge, ich will jetzt nicht auf schöne Menschen schimpfen, die zu viel Wert auf ihr Äußeres legen, darum geht es mir nicht. Ich denke eher an Christen, die sich mit dem Schein begnügen, aber nicht wirklich brennen. Bei uns ist ja die Kindertaufe immer noch üblich, wenn auch nicht mehr selbstverständlich. Nehmen wir also an, ich sei als Kind getauft und nach und nach in die Gemeinde hineingewachsen. Ich hätte auch nichts dagegen, zu Weihnachten ginge ich in die Kirche, Hochzeit in Weiß fände ich schön usw. Dann wäre ich sowas wie ein Teelicht. Ich wäre einfach Christ, auch wenn ich nur hübsch rumstünde.

Aber diejenigen, die schon mal ein echtes Teelicht gesehen haben, die wissen eben, dass es erst mit Docht einen Sinn hat, und dass es diesen Sinn erst erfüllt, wenn es brennt. Wie das aussieht, wenn ein Christ „Feuer und Flamme“ ist, das mag jeder selber überlegen. Und natürlich gibt es Menschen, die weniger Teelicht sind, sondern eher eine lodernde Fackel. Aber für mich bleibe ich lieber beim kleinen Licht, und da bleibt mir noch eines: ja, so ein Teelicht hat nur eine begrenzte Lebensdauer. Irgendwann ist es verbraucht. Die Kunst ist, so scheint mir, dass wir uns für die Sache Jesu verzehren, ohne vor der Zeit auszubrennen. Aber Licht und Wärme geben müssen wir. Wenn wir das christliche Abendland nur dekorieren, haben wir unseren Sinn verfehlt.

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