Adventstour mit Ohnmacht

In allen Kirchen werden ja zur Zeit die Krippen aufgebaut, auch in unserer Kloster- und Kinderdorfkapelle in Schwalmtal. Nun erleben diejenigen, die sonntags zur Messe kommen, immer ein perfektes Arrangement: am einen Sonntag ist die Kirche noch normal aufgeräumt, am nächsten steht der Weihnachtsbaum und Maria und Josef sind auf dem Weg nach Betlehem. Aber wir, die wir jeden Tag mehrfach in der Kirche sind, erleben auch die Zwischenstufen, und nicht immer schafft es die Sakristanin, alles Halbfertige vor dem nächsten Gottesdienst wegzuräumen.

Natürlich ist das nicht schlimm, manchmal gibt es sogar spannende Einblicke hinter die Kulissen. Aber gestern… Josef und der Esel standen reisebereit vor dem Stall und warteten auf Maria. Nur lag die daneben auf der Erde wie ohnmächtig! Ja, das geht doch nicht!!! Es sah wirklich ein bisschen komisch aus, und eine Schwester hat es dann nicht ausgehalten: sie ist hingegangen, um Maria aufzurichten. Da zeigte sich, dass die Figur kaputt war, Genickbruch! So hockte sie jetzt ein wenig jämmerlich mit schiefem Hals in der Ecke, bis sie nach der Vesper mit vereinten Kräften wenigstens provisorisch hingesetzt werden konnte.

Mir schien das ein gutes Bild dafür zu sein, wie schwer uns der Advent fällt. Dieses Warten, dieses Halbfertige, Unvollkommene, das widerstrebt uns. Wir alle haben eine tiefe Sehnsucht nach Harmonie, Ganzheit und Reinheit in uns. Wir wissen, dass wir dieses Ziel auf Erden nie vollständig erreichen werden, und doch versuchen wir, wenigstens ein Abbild davon zu erhaschen. Wenigstens unser Weihnachtsfest soll harmonisch und vollkommen sein. Natürlich wird es das nie, gerade wegen der hohen emotionalen Erwartungen gibt es hier jedes Jahr von Neuem etliche Enttäuschungen. Aber vielleicht schaffen wir es ja doch irgendwann, hinter dem Wunsch nach einer schönen Krippenszenerie unsere eigentliche Sehnsucht zu entdecken: keine Frau sollte ohnmächtig werden, ohne dass ihr andere sofort zur Hilfe kommen. Kein Paar in Not sollte lange nach einer Unterkunft suchen müssen. Und wenn Gott Mensch wird, dann wollen wir ihn erkennen und willkommen heißen, anstatt ihn abzulehnen.

Kommentar verfassen