Adventstour mit Platzkarten

Wir kommen in die heiße Phase der Vorweihnachtszeit: gestern haben Kinderdorfmutter Marlene und ich in unserer Kapelle die Platzreservierungen für die Christmette vorgenommen.

Ich liebe das! Es ist ein bisschen wie Tetris-Spielen: wie kriege ich möglichst viele Menschen in einen Raum gequetscht, der sich aller Erfahrung nach einfach nicht ausdehnen wird? Kann man die Bier-Bänke nicht doch noch ein wenig enger aneinander rücken? Hier könnte man bestimmt noch einen Stuhl hinstellen! Vor der Mette werden wir im Schwesternhaus und Kinderdorf die klare Order durchgeben: Rollatoren und Kinderwagen bleiben draußen! Und wie viele Personen passen eigentlich auf die Empore, bevor die da oben umkippen? Marlene verkündet fröhlich: „Enge fördert die Gemeinschaft!“ Tja, so kann man das natürlich auch sehen…adventstour-27-platzkarten-2

Zum Schluss haben wir das ganze Kinderdorf untergebracht: alle, die hier wohnen, manche Mitarbeiter, Ehemalige und sonstige Gäste, die wir erwarten, insgesamt 185 reservierte Plätze – plus Priester und Organistin. (Deren Plätze waren schon markiert.) Außerdem bleiben noch Plätze für Besucher, die nicht so oft kommen, aber die werden von Jahr zu Jahr knapper. Wenn wir um 16:00 Uhr, eine Stunde vor dem Gottesdienst, die Kirche öffnen, dauert es meist nur etwa 15 Minuten, bis sie alle belegt sind. Alles in allem werden wir wohl wieder so an die 300 Leute in die Kirche bekommen, und viele werden stehen müssen und/oder nicht viel sehen können.

Wie gesagt, ich mache das gerne. Aber manchmal frage ich mich schon, warum alle diese Leute sich in dieser einen Messe knubbeln. Natürlich meine ich nicht die, die sonst auch kommen. Dass die lieber am Heiligabend in den stimmungsvolleren Gottesdienst wollen als in den am nächsten Morgen verstehe ich schon. Aber wer sonst gar nie in die Kirche geht – was sucht der?

Bitte versteht mich nicht falsch: ich finde es schön, richtig schön, wenn jemand an Weihnachten zu uns kommt. Und wenn er/sie nur wegen des Lichterglanzes kommt oder wegen der Lieder, die irgendwie noch an die Kindheit oder an die heile Welt erinnern, oder weshalb auch immer: Herzlich willkommen!

Aber wirklich verstehen kann ich es nicht. Denn was wir an Weihnachten verkünden, ist keine Idylle und keine heile Welt. Wir betrachten ein Paar, das auf einer Reise ist und kein festes Quartier gefunden hat, obwohl die Frau mit ihrem ersten Kind niederkommt. Die Vaterschaft des Kindes war damals nicht ganz klar – was leicht zur Steinigung der jungen Frau hätte führen können, und sie ist es heute immer noch nicht, was immer wieder zu Unverständnis und Häme führt. Trotzdem jubeln wir – weil wir glauben, dass dieses Kind, das bald auch noch zum Flüchtling werden wird, Gott ist. Eigentlich total spinnert…

Herzlich willkommen allen, die nur einmal im Jahr in unsere Kirche kommen! Aber Achtung: hinter unserem Lichterglanz jubeln wir euch eine absolut irre Botschaft unter.

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