Adventstour (fast) am Ziel

Als sich die Kollegen in den letzten Tagen so nach und nach in die Weihnachtspause verabschiedeten, sagte eine: „Nächstes Jahr fallen Heiligabend und der vierte Adventssonntag zusammen, das finde ich so schön! Wenn Du die vierte Kerze anzündest, dann ist auch Weihnachten!“

Mir geht es gerade umgekehrt, ich habe mich über den langen Advent gefreut. Denn für mich ist der Advent die Zeit der Erwartung, der Vorbereitung. Er führt auf Weihnachten zu, Adventskalender und Adventskranz helfen beim Warten, aber an sich ist das Fest selber etwas ganz Eigenes. Heute, am 24.12., haben wir unser Morgengebet begonnen mit dem Satz:

„Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt,
und morgen werdet ihr schauen seine Herrlichkeit.“

Gestern noch Advent, Erwartung, heute wissen wir immerhin schon Bescheid, aber morgen, erst morgen ist Weihnachten!

Naja, ich muss zugeben: ganz konsequent handhaben wir das natürlich auch nicht. Auch bei uns steht der Baum schon eine ganze Weile, einfach weil wir dazu „die Männer“ brauchen. Und natürlich ist auch bei uns heute abend die Christmette der große, besonders aufwändige Weihnachtsgottesdienst – schon allein wegen des Kinderdorfes. Normal halt. Trotzdem: manches machen wir nicht mit, manches müssen wir zum Glück auch nicht mitmachen.

Auf den Weihnachtsmärkten spielen sie seit vier Wochen Weihnachtslieder! Wir fangen heute abend damit an. In den Geschäften strotzt schon ewig und drei Tage alles vor Weihnachtsdeko. Geht ja auch nicht anders, denn nach Heiligabend bauen die um für Neujahr. Aber zum Glück ist unser Kloster kein Geschäft, wir dekorieren jetzt erst um – von Advent auf Weihnachten. Die Weihnachtszeit dauert ja bis zum 8. Januar, das lohnt sich!

Als ich noch nicht im Kloster war, musste ich noch mehr Geschenke machen und war viel mehr an den Rhythmus des Handels angepasst. Heute genieße ich es, mich auf den Rhythmus der Festzeit einzulassen. Plötzlich machen die Feste viel mehr Sinn. Wenn wir die Christmette heute abend gestemmt und alles aufgeräumt haben, dann, ja dann kann für mich Weihnachten werden. Morgen werden wir wieder einen Festgottesdienst haben und wieder jubelnd Weihnachtslieder singen, aber dann ohne Stress. Wenn es überall wieder ruhiger wird – „zwischen den Jahren“ – dann ist für uns immer noch Weihnachten. Und wenn das Neue Jahr angefangen hat – dann, ganz allmählich werden auch wir unsere Weihnachtsdeko leid. Dann haben wir uns lange genug daran erinnert, dass Gott Mensch geworden ist, um uns zu erlösen. Dann behalten wir es auch in unseren Herzen, wenn wir wieder in den Alltag zurückkehren.

Vielen Dank fürs Mitgehen auf der Advents-Tour. Ich wünsche ein frohes und gesegnetes Fest der Menschwerdung Gottes und sage: „Auf bald…“

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