Demo: Woran glaubst du?

Morgen ist es wieder so weit: Ungezählte Katholiken werden die Messe im Freien feiern und anschließend mit Baldachin und Wummtata durch die Straßen ziehen. Die jährliche Katholikendemo sozusagen.

Zum Glück sind längst die Zeiten vorbei, in denen Protestanten und Katholiken sich das Leben gegenseitig schwer machten und die Fronleichnamsprozession als willkommene Gelegenheit dazu genutzt wurde, „die Anderen“ zu stören. Nein, unsere evangelischen Geschwister müssen wir nicht mehr fürchten. Dafür haben wir heute ein anderes Problem: wer weiß bzw. glaubt denn schon noch, was wir an Fronleichnam überhaupt feiern?

Bei uns wird das morgen bestimmt richtig schön: zuerst haben wir einen Familiengottesdienst vor unserem Haupthaus geplant, dann geht die Prozession durch das Kinderdorf und den Ort bis rauf nach St. Michael. Dort gibt es den Segen – und das Pfarrfest kann beginnen. Wie ich unsere Katecheten kenne, werden sie gut erklären, was es mit dem „Heiligen Brot“ auf sich hat, das wir auch „Leib Christi“ nennen. Aber warum die Prozession?

Meine Beziehung zur Eucharistie ist ja eher still. Dass Gott uns in dem Alltagslebensmittel Brot begegnen will, ist für mich ein Wunder, das man nicht zerreden sollte. Gott macht sich klein, damit wir ihn fassen können. Er liefert sich uns aus, damit er uns nähren kann. Darum geht es. Das ist normalerweise etwas sehr persönliches zwischen Gott und mir. Nix mit Wummtata.

Aber einmal im Jahr, da freue ich mich daran, diesen meinen Glauben auf der Straße zu zeigen. Es ist wie bei jeder Demonstration: man trifft die Gleichgesinnten und zeigt Flagge. Das tut gut und stärkt den Glauben an die gemeinsame Sache. Wenn in dieser Woche die ARD den Glauben zum Themenschwerpunkt macht, dann finde ich das super. Und ich wünsche mir, dass auch wir Christen uns untereinander öfter mal fragen: Woran glaubst du? Morgen werden wir uns öffentlich dazu bekennen, dass wir Gott im Teilen des Brotes begegnen.

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