Sister wundert sich weiter

Vorgestern habe ich über die Ehe geschrieben und darüber, dass m.E. das Grundgesetz mehr die Kinder als die Ehepartner schützen will.

Nun könnten die homosexuellen Paare kommen und sagen, das finden sie prima, und weil sie selber keine Kinder haben können, möchte sie welche adoptieren. Hmmm. Ich erlebe in unseren Kinderdörfern täglich, dass Kinder bei Menschen, mit denen sie nicht verwandt sind, mehr Sicherheit, Geborgenheit und Liebe erfahren als bei ihren leiblichen Eltern. Trotzdem bin ich skeptisch, wenn ich Forderungen nach dem Adoptionsrecht von den Schwulenverbänden höre, und zwar eigentlich nur aus einem Grund:

Meinem (katholischen) Verständnis nach ist ein Kind ein Geschenk Gottes. Es ist unverfügbar. Eine Frau kann natürlicherweise nur in sehr begrenztem Maße beeinflussen, ob sie ein Kind bekommt – und sie hat gar keinen Einfluss darauf, welche Eigenschaften es mitbringt. Ich denke, dass das gut ist. Und ich sehe mit Sorge den Trend, dass immer mehr Menschen ihr (oftmals einziges) Kind wie ihren Besitz betrachten.

Manche dieser Menschen tun so, als hätten sie ein Recht darauf, ein Kind zu bekommen, und es genau dann zu bekommen, wann es am besten in ihre Lebensplanung passt. Technisch ist da ja inzwischen so gut wie alles machbar. Wenn man nur ein Kind will, muss dieses Kind natürlich möglichst perfekt sein, was die schrecklichsten Folgen hat, von der Abtreibung potentiell kranker Kinder bis zum Psychodruck später, wenn das Wunschkind dann die Sehnsüchte und Pläne der Eltern auf Teufel komm raus erfüllen muss.

Ich übertreibe? Ja, ich überspitze – ein wenig. Aber es gibt den Trend, das Leben als verfügbar zu betrachten. Und dazu gehört (in manchen Fällen!) auch die Forderung nach einem Adoptionsrecht. Niemand hat ein Recht auf Kinder. Schwule nicht – und Heteros auch nicht! Kinder werden uns von Gott geschenkt. Und nur wer wirklich das Wohl der Kinder im Sinn hat – und nicht zuerst das eigene – sollte welche haben dürfen.

Und noch was: Ich weiß, wovon ich spreche. Ich hätte vor 20 Jahren gerne Kinder gehabt. Heute weiß ich, dass dieser Wunsch nicht uneigennützig war. Vielleicht wäre ich trotzdem eine gute Kinderdorfmutter geworden, who knows? Man kann ja lernen. Jedenfalls ist mir die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens wichtig geworden, für die meine Kirche so kämpft: Kinder sind nicht da, um die Wünsche ihrer Eltern zu erfüllen – seien diese nun homo oder hetero, verheiratet oder single.

2 Comments


  • Das klingt ein bisschen, als sollte man den Homosexuellen das Adoptionsrecht absprechen, damit sie nicht dann ein Kind bekommen können, wenn es ihnen am besten in die Lebensplanung passt. Wem ist damit geholfen? Den Heterosexuellen, die genau das tun können, wenn die Natur es zulässt – nämlich dank Familienplanung? Den Kindern, die adoptiert werden möchten und sich nach liebenden Eltern sehnen?

    • Barbara Offermann

      Ich dachte eigentlich, ich hätte deutlich ausgedrückt, dass auch leibliche Kinder instrumentalisiert werden können – und was ich davon halte.

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