Sister wird smart
1. Oktober 2017

Mit dem hashtag #metoo (ich auch) weisen seit einiger Zeit immer mehr Frauen im Netz darauf hin, dass sie sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren. Das muss nicht immer gleich eine Vergewaltigung sein. Es gibt viele Formen, wie Männer Frauen gegenüber die Grenzen von Scham und Respekt verletzen.

Als ich von der Aktion hörte, war ich beeindruckt, aber interessanterweise fühlte ich mich nicht persönlich angesprochen. Ich dachte an all die attraktiven jungen Frauen, die berichten, dass sie begrapscht werden oder dass Männer in der Bahn neben ihnen onanieren. Erst als eine Ordensfrau auf Facebook das #metoo postete und darauf hinwies, dass es – jawohl – auch uns passieren könne, kam ich auf die Idee, über meine eigenen Erfahrungen nachzudenken – und ich postete selber #metoo!

Die Vorfälle liegen schon lange zurück und ich werde keine Details erzählen. Aber diese Aktion hat mir gezeigt, wie selbstverständlich wir Frauen übergriffiges Verhalten von Männern in unsere Biographien aufnehmen. Wir ignorieren die Exhibitionisten einfach oder wehren uns bei Angriffen unserer Haut. Und wenn es nicht allzu heftig war, ordnen wir anschließend die aufgewühlten Gefühle, Kleidung und Frisur, gehen unserer Wege und tun so, als sei nichts gewesen.

Genau das erwartet die Gesellschaft von uns. Und wir haben diese Erwartung übernommen und internalisiert.

Natürlich gibt es Gesetze und ein stärker werdendes Bewusstsein für Frauenrechte. Und man kann nicht jeden anzüglichen Blick sanktionieren, dann würden wir alle hysterisch. Deshalb bin ich froh über diese Aktion. Hier können Frauen sagen: „Ja, es ist mir passiert. Ich bin Opfer eines Verhaltens, dass nicht in Ordnung war, das mich verletzt hat und das dennoch nicht bestraft werden wird, weil es so schwer zu messen und zu beweisen ist. Das wollte ich einfach nur mal gesagt haben. Und jetzt kann ich wirklich weitergehen.“

Ich kann nur alle betroffenen Frauen ermutigen mitzumachen.

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