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Rückschau Katholikentag 3: hinter den Kulissen
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Pfingstmontag ist in unserer Gemeinde (und nicht nur bei uns) traditionell ein Tag, an dem die Ökumene besonders gefeiert wird. Der Geist eint alle Gläubigen, Menschen verschiedener Sprachen können einander plötzlich verstehen – welches Fest wäre besser geeignet?

Also haben meine Schwestern und ich uns aufgemacht, diesmal in eine der evangelischen Kirchen. Da spielte (um das Klischee zu erfüllen) ein Posauenchor – aber richtig mit Pep. Direkt das erste Lied („Kommt herbei, singt dem Herrn“) war von einem unserer Mitbrüder, Diethard Zils, und steht wie alle anderen, die wir gesungen haben, auch im katholischen Gotteslob. Der katholische Pfarrer, die evangelische Pfarrerin und je ein Mitglied jeder Gemeinde hatten den Gottesdienst vorbereitet. Pfarrerin Rauber hatte die Predigt, und da es ein reiner Wortgottesdienst war, gab es kaum heikle Punkte.

Natürlich gibt es die üblichen Kleinigkeiten, wenn Menschen gemeinsam etwas feiern, was für alle einen festen Rahmen hat, der aber für die einen anders aussieht als für die anderen: wann stehen oder sitzen wir? Wer spricht wann welche Worte als Begrüßung, liturgische Formel zur Lesung, o.ä.? Und schließlich: wer spricht wie welchen Schlusssegen?

Das alles wurde recht locker und humorig genommen. Beide Pfarrer verstehen sich offenbar gut, keiner hat das Gefühl, zu kurz zu kommen. Und auch die Gemeinden lassen sich einfach mal auf diesen Gottesdienst ein, der natürlich anders und manchmal auch ein bisschen sperrig ist, der uns aber kostbar ist – einfach weil wir überhaupt gemeinsam Gott loben und danken können. Als Credo haben wir das gebetet, was wir Katholiken als das „Große Glaubensbekenntnis“ kennen, das von Nizäa. Es steht im evangelischen Gesangbuch mit dem Hinweis, dass es uns bis auf einen kleinen Satzteil auch mit den orthodoxen Christen eint und daher noch stärker für die Ökumene steht als das Apostolische. Und auch, wenn wir den Text nicht in seiner vollen Tiefe verstehen (außer ein paar Theologen unter uns, denen will ich jetzt nicht Unrecht tun), so finde ich es doch ein starkes Zeichen, dass wir uns dieses gemeinsame Fundament vergegenwärtigen.

Dabei kam mir die Diskussion um das gemeinsame Abendmahl in den Sinn. Das stand heute bei uns nicht zur Debatte. Ich bin froh darüber, dass wir nicht an einer Wunde herumgekratzt haben, die uns alle schmerzt, denn vom kratzen wird sie nicht heilen. Schon gar nicht können wir eine Frucht pflücken, die noch nicht reif ist. An sowas verdirbt man sich nur den Magen. Stattdessen haben wir lebendig und fröhlich gefeiert, was wir an Gemeinschaft haben: in Liedern, Texten und mit Zeichenhandlungen. Das war nicht wenig! Nach dem Gottesdienst wurde noch zusammen gebruncht, da ging die Feier dann in anderer Form weiter – mit einem Mahl, das auch ohne ein Sakrament zu sein mit Sicherheit heilswirksam war.

2 Kommentare

  1. Wovon wird die Wunde denn heilen?

  2. Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Ich meine, wir müssten viel mehr über unser Eucharistieverständnis sprechen. Dabei sind sich die Theologen relativ nahe. Aber das Volk…? Ich glaube, viele Christen – zumindest viele Katholiken – wissen gar nicht so genau, was wir da feiern. Deshalb haben sie auch kein Problem mit der eucharistischen Gastfreunschaft. Ist doch eh dasselbe, oder? Das ist meines Erachtens das eigentliche Problem: dass die Leute über einen Stein stolpern sollen, den sie gar nicht sehen.

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