Arme Maria 2.0
16. Mai 2019

Es gibt Dinge, die sind so schön, die müsste man erfinden, wenn es sie nicht schon gäbe.

Naja, „schön“ ist in diesem Fall vielleicht nicht das richtige Wort. Eher… „praktisch“ oder „originell“, „kurios“ oder „ne, das hältste ja im Kopp nich aus!“…

Ungefähr so was ähnliches habe ich jedenfalls gedacht, als ich die abgebildeten Döschen angeboten bekam: ein Schlückchen Rotwein, gut verpackt, oben drauf eine kleine Oblate. Man muss zuerst die Folie von der Oblate lösen, sonst bekommt man den Wein nicht unfallfrei auf. Aber das macht ja auch Sinn, schließlich braucht man in der Messe beides in genau dieser Reihenfolge. Die Folie sollte man allerdings nicht sofort wegwerfen: für die Anfänger sind ganz obendrauf noch die Wandlungsworte gedruckt. (Bisschen schwer zu lesen. Es ist nicht schlecht, wenn man sie schon kennt!)

Ich vermute, dass dieses Set unverzichtbarer Bestandteil der Reiseausrüstung jedes Missionars in der Wüste, im Urwald oder in der Arktis ist – vorzugsweise, wenn er gerne mal alleine die Messe feiert. Insofern will ich da jetzt auch nicht drüber lästern oder spotten oder so.

Allerdings fällt es mir schon schwer nachvollziehen, wieso ein Priester alleine die Messe feiern will. Es widerspricht einfach vollständig meinem Verständnis der Eucharistiefeier. In der Messe versammelt sich die Gemeinde um den Tisch des Herrn, um dankbar seines Todes und seiner Auferstehung zu gedenken. „Sie trafen sich in ihren Häusern und brachen miteinander das Brot“ heißt es in der Apostelgeschichte. Wenn ein Priester die Messe alleine feiert, bekommt sie mehr den Charakter eines Opfers, das der Priester stellvertretend für die in diesem Fall abwesende Gemeinde vollzieht. Kann man machen. Aber damit habe ich nichts zu tun. Das ist nicht mein Bild von Messe, vom Priester, von Gemeinde. Ein Priester/eine Kirche mit einem solchen Eucharistieverständnis braucht mich nicht. Wozu sollte ich sie brauchen?

Während ich dies schreibe, knabbere ich die kleine Oblate und frage mich, was es bewirkt, wenn irgendwo irgendein Priester allein in seinem Kämmerlein die magischen Worte über ein solches Stückchen Brot spricht. Der Geist weht, wo er will. Wir können Gott nicht vorschreiben, wie er zu wirken hat. Versprochen hat er uns aber: Wenn zwei oder drei in Jesu Namen beisammen sind, dann ist er unter ihnen. Und das, das brauche ich.

 

6 Kommentare

  1. Avatar Admiral sagt:

    Ich vermisse den Respekt vor der Eucharistie in diesen Artikel. Wenn von „knabbern“ und „magischen Worten“ die Reden ist, offenbart das eine erschreckendes Glaubensunwissen. So was akzeptiere ich von Protestanten, aber an Katholiken und als Katholik sollte man höhere Maßstäbe an seine Sprache anlegen.

    Dieser Artikel ist leider zum Fremdschämen und tut mir, auch im Hinblick auf die Bemerkungen zum allein zelebrierenden Priesters, in der Seele weh. Auch ein allein zelebrierender Priester feiert Die Messe für die ganze Kirche, legt Fürbitte ein und betet für die Verstorbenen. Das gießt Gnaden über die ganze Kirche aus. Der Optimalfall ist das nicht (siehe KKK), aber trotzdem erlaubt.

    Es tut mit leid, daß so unverblümt sagen zu müssen:

    Wer ein Gemeinschaftserlebnis will, soll bei den Pfadfindern ans Lagerfeuer gehen.

    Die Katholische Kirche vergegenwärtigt das Opfer Christi. Das reicht. Mehr muß in diese Feier nicht rein.

    • @Admiral:
      Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber ich vermisse bei Ihnen den Versuch, meinen Artikel tatsächlich zu verstehen. Hätten Sie es versucht, dann hätten Sie gelesen, dass ich „geknabbert“ habe, während ich den Artikel schrieb – also am Schreibtisch. Es war die auf dem Foto abgebildete und natürlich unkonsekrierte Hostie – sonst hätte ich auch nicht das Wort „Oblate“ verwendet. Beides habe ich betont, damit klar wird, dass ich dieses Döschen eben nicht für geeignet halte, die Eucharistie zu feiern.
      Die „magischen“ Worte waren ein faux pas, das gebe ich zu, denn natürlich weiß ich, dass die Wandlung nichts mit Magie zu tun hat, und es ist schwierig, eine solche Vokabel öffentlich zu verwenden, wenn man nicht überprüfen kann, ob alle Leser verstehen, dass sie in diesem Kontext nicht wörtlich gemeint ist.
      Ihren Aussagen über den allein zelebrierenden Priester kann ich mich anschließen. Auch mein Artikel widerspricht dem nicht. Ganz energisch möchte ich allerdings widersprechen, wenn Sie die Eucharistiefeier mit einem Lagerfeuer bei den Pfadfindern vergleichen. Die Art von Gemeinschaft, die ich in der Messe suche und finde (!) ist von anderer Art. Ich kann eigentlich nicht recht glauben, dass Sie diesen Satz wirklich ernst meinen.

  2. Avatar Andreas sagt:

    „Ein Priester/eine Kirche mit einem solchen Eucharistieverständnis braucht mich nicht. Wozu sollte ich sie brauchen?“ Weil die Feier des Mysteriums einen Raum öffnet, der nicht durch unsere Wände, unsere kurze Sicht und unsere zu eng ausgreifenden Gedanken eingeschränkt wird. Weil Sie in jenem Moment, in welchem Sie an der Oblate knabbern, mit jenem Priester verbunden sein können, dessen Messe in jenes Hochzeitsmahl mündet, das jenseits unserer Vor-Stellung liegt, in dem wir aber durch Vereinigung vor-stellig werden können (und das keineswegs durch Knabbern an einer Oblate; aber es kann sie daran erinnern): Wie der Stern am Himmel, dessen Leuchten wir aus weiter Ferne und von ganz unterschiedlichen Orten aus gewahren können, und in dem sich die Blicke, die Sehnsüchte, die Tränen und Freuden all jener bündeln, die zu ihm aufschauen.

    • @Andreas
      Auch für Sie noch einmal der Hinweis: „knabbern“ tue ich nur am Schreibtisch, merkwürdige kleine Oblaten, die ich in Plastik verpackt geschenkt bekommen habe, und von denen ich mir nicht vorstellen kann, wie man damit die Eucharistie feiern will.
      Wenn ich dagegen den Leib Christi empfange, dann empfinde auch ich das als Mysterium. Allerdings ging es hier ja gerade um die Vorstellung einer Messe, an der ich nicht teilnehme und die Frage, wieso es MICH berühren sollte, wenn ER dieses Opfer feiert. Natürlich WEIß ich um diese Verbindung, aber ich empfinde sie nicht. Und gerade bei meinem Glauben ist mir die Wissens- und Verstandesebene einfach zu wenig.

  3. Die Eucharistie ist Quelle und Gipfel des Glaubens. Dieser Artikel ist einfach nur der Gipfel.
    Näheres hier: https://katholischlogisch.blog/2019/07/01/kingdom-prefilled/

  4. Avatar Claus Delzepich sagt:

    „Aber damit habe ich nichts zu tun.“
    Sie haben mittlerweile recht wenig mit der katholischen Kirche gemein ;(

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