Messe to go
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Magnificat
15. August 2019

„Guckst du mit uns ‚Um Himmels Willen‘? Nachdem wir das den ganzen Tag live hatten, brauchen wir jetzt die Bildschirmfassung!“ So stöhnte einmal eine unserer Novizinnen. Inzwischen scheint sie sich mit den Schrullen unserer Schwestern und den Merkwürdigkeiten unseres Alltags abgefunden zu haben, denn heute, einige Jahre nach ihrem Noviziat, schaut sie die Serie nicht mehr. Ich schon. Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, als ich eine Tagung zur Öffentlichkeitsarbeit der Orden besuchte. Dort wurden uns verschiedene Filme und Fernsehserien vorgestellt, in denen Kirchen- und Ordensleute vorkommen. „Um Himmels Willen“ sei eine besonders gelungene, da sie das Ordensleben realitätsnah und zugleich mit Sympathie darstelle, so hieß es.

Ich finde das auch. Manches ist natürlich dramaturgisch übertrieben oder einfach Quatsch. Aber vieles ist wirklich gut getroffen, und immer wieder werden Konflikte anders gelöst, als man es erwartet. Ich denke an die Folge, in der Sr. Felizitas sich ein Smartphone besorgt und – weil alles was sie tut sofort in eine Sucht ausartet – anfängt, Videos von der Klosterkatze und „Herrn Hund“ zu drehen. Innerhalb kürzester Zeit hat sie auf Youtube 14.000 Follower – beneidenswert! (Vielleicht sollte ich es auch einmal mit Katzenvideos versuchen!)

Aber dann fliegt die Sache auf, und sie muss das Handy wieder abgeben. „Du kennst die Ordensregel“ wird sie von Sr. Hannah ermahnt. Der Zuschauer kennt die Regel nicht, sieht aber ein, dass exzessiver Medienkonsum für eine Ordensfrau unangemessen ist.

In unseren Ordensregeln haben wir uns bewusst auf das beschränkt, was das Kirchenrecht vorschreibt, woran also keine Ordensgemeinschaft vorbei kommt. Wir haben angelehnt an §666 des CIC formuliert: „Der Umgang mit Kommunikationsmitteln ist von der Verantwortung bestimmt, die jede Gemeinschaft und jede Schwester für ihre Berufung und die Kongregation trägt.“ Mehr nicht.

Ja, das ist sehr offen. Aber wir Dominikanerinnen von Bethanien leben auch recht unterschiedlich. Die meisten arbeiten überwiegend zu Hause und engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich in der einen oder anderen Weise. Bei anderen verkleinert sich aus Alters- oder Krankheitsgründen der Radius mehr und mehr. Einige sind 24/7 in ihrer Kinderdorffamilie eingesetzt oder mit einem besonderen Amt betraut und deshalb ständig unterwegs. Und wieder andere leben in ihrer Gemeinschaft und damit auf einem Kinderdorfgelände, und haben einen (Teilzeit-)Arbeitsplatz außerhalb.

Für diese so unterschiedlichen Lebensweisen einheitliche Regeln aufzustellen, ist schwierig. Deshalb haben wir beim Schreiben der Konstitutionen überlegt, was allen gemeinsam ist. Und beim Medienkonsum war uns klar: jede Schwester ist selber verantwortlich. Wir würden keiner verbieten, ein Smartphone zu besitzen. Wir würden wohl mal fragen: wozu brauchst du das? Und wenn die, die ein Handy für ihre Arbeit haben, damit auch mal zur Entspannung irgendeinen Blödsinn machen, dann hinterfragt das auch niemand. Aber jede muss selber im Blick haben, wofür sie ihre Zeit verwendet, wie sie ihre Pausen verbringt, womit sie ihren Geist nährt und wie sie die Gemeinschaft nach außen darstellt. Wir dürfen einander fragen, wir sind schließlich Schwestern, aber die Zeit der platten Verbote ist vorbei.

Ich bin gerne in einer Gemeinschaft, die ihren Mitgliedern zutraut, selber Verantwortung zu übernehmen.

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