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Eine Freundin fragte mich neulich: „Ist die Fastenzeit eigentlich erlaubt, wenn Karneval vorher ausfällt?“

Wir haben uns darüber sehr amüsiert, denn natürlich ist der Karneval ursprünglich die Antwort auf das Fasten, nicht umgekehrt: noch einmal auf den Putz hauen, bevor alles verboten ist.

Nun durften wir also nicht richtig feiern – und sollen ab heute trotzdem richtig fasten? Das kommt meiner rheinischen Seele doch arg ungerecht vor, und so hab ich mich mal wieder darauf besonnen, wofür das ganze Fasten überhaupt gut sein soll.

Letzten Sonntag haben wir im Evangelium von einer Heilung gehört: Ein Aussätziger sagt zu Jesus: „wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.“ Und der heilt ihn, er ist ganz für die Menschen da, er hat Mitleid mit ihren Gebrechen. Gott will unser Heil. Und heute ging es im Evangelium darum, dass Jesus anfängt zu predigen: “die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nah”. Gott kommt zu uns, er verspricht uns die Fülle des Lebens.

Wenn wir das auf unsere Karneval-Fastenzeit-Frage übertragen, so scheint mir, dass das Fasten uns nicht quälen, sondern vor allem guttun soll. Jesus heilt die Menschen an Leib und Seele – genau das soll auch durch unser Fasten geschehen. Dabei betont Jesus, dass er sich an die religiösen Gesetze hält. Vieles was er sagt und tut, ist revolutionär – und doch sagt er immer wieder, dass er die überlieferten Weisungen einhält. Nichts anderes ist die Fastenzeit: eine alte Kirchenregel, die uns helfen kann, heil zu werden, wenn wir sie mit Sinn füllen.

Bei allem, was uns im Moment an Sorgen und Einschränkungen bedrückt, sei es durch die Pandemie, sei es durch die aktuelle Situation der Kirche oder durch persönliche Probleme – immer will Gott uns heilen und unser Leben zum Guten wenden. Was es dazu braucht, ist bei jedem anders. Vielleicht ist in dieser Fastenzeit gar nicht so sehr Verzicht angesagt, weil wir sowieso auf so vieles verzichten müssen. Vielleicht sollten wir uns lieber überlegen, was wir uns Gutes tun können, um zu innerem Frieden zu gelangen und unsere Gottesbeziehung zu pflegen. Haben Sie schon eine Idee, was das bei Ihnen sein könnte?

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