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„Frag doch mal die Schwester“, Teil 8:

Was ist „die Krone der Schöpfung“?

Um es gleich vorweg zu nehmen: der Begriff ist nicht biblisch. Sicherheitshalber habe ich das nachgeschaut, und Prof. Barbara Schmitz von der Uni Würzburg hat es belegt: der Begriff entsteht erst in der Neuzeit und ist ein europäischer Gedanke („Krone“!).
Trotzdem habe ich mir daraufhin noch mal die Bibel vorgenommen, denn die Schöpfungsgeschichte ist erstaunlich aktuell. Die Erschaffung der Welt in sechs Tagen entspricht beispielsweise ziemlich genau der Evolutionstheorie – natürlich nicht in den zeitlichen Dimensionen, die sind bildhaft formuliert, und es gibt auch Abweichungen, aber trotzdem kann man sagen: obwohl die biblische Erzählung theologische Aussagen macht und kein naturwissenschaftlicher Bericht ist, passt sie erstaunlich gut zu unseren heutigen Erkenntnissen und Theorien.
Das Buch Genesis erzählt: Zuerst entstehen Licht, Wasser und Erde. Dann entstehen auf der Erde Pflanzen. Die Gestirne beginnen, feste, regelmäßige Bahnen  zu ziehen. Dann entsteht tierisches Leben zuerst im Wasser, dann in der Luft, schließlich an Land. Schließlich erschafft Gott den Menschen „nach seinem Abbild“, d.h. Ihm ähnlich. Wichtige Aussage ist bei all dem: alles, was Gott geschaffen hat, ist sehr gut.
Diese Erzählung ist aus der priesterlichen Tradition Israels, etwa aus dem Jahr 550 v.Chr., also über 2.500 Jahre alt. Ich meine, dass sie trotzdem noch immer dem Denken vieler Menschen heute sehr nahe ist: Die Welt ist hierarchisch aufgebaut, und der Mensch ist von allen Geschöpfen am höchsten entwickelt. Deshalb hat er das Recht (nach der Bibel auch den Auftrag), die restliche Schöpfung zu unterwerfen und zu beherrschen. Dabei gibt es in der christlichen Theologie inzwischen wohl einen weitgehenden Konsens, dass mit dem Herrschaftsbefehl ein Auftrag zur Pflege und Verantwortung für die Schöpfung verbunden ist und kein Freibrief zur Ausbeutung.
Dies ist die eine Sichtweise.
Schon in der Bibel gibt es eine ganz andere, nämlich die zweite Schöpfungsdarstellung. Sie ist älter als die Priesterschrift, und beginnt mit der Erschaffung des Menschen. Der wird aus Ackerboden gemacht, danach wird die restliche Welt um ihn herum erschaffen. Schließlich sucht Gott jemanden, damit der Mensch nicht so allein ist, findet aber nichts, was dem Menschen entspricht – bis er die Frau erschafft: „Endlich!“ In diesem Bericht lautet der Auftrag an den Menschen, allem Geschaffenen Namen zu geben und die Welt zu bebauen und sie zu hüten. Klingt schon ganz anders, nicht?
Auch hier wird er als Haupt der Schöpfung dargestellt, trotzdem meine ich, dass dieses Bild einer anderen Sichtweise der heutigen Welt näher ist: der Mensch wird mitten in einen Garten gesetzt, er ist nur EIN Teil der Schöpfung. Heute geht man mehr und mehr dazu über, den Wert von Tieren und Pflanzen, der Natur insgesamt zu entdecken und zu schätzen.
Ich neige ja dazu, immer noch den Menschen als ein besonderes Geschöpf zu betrachten, als besonders zur Beziehung mit Gott begabt („Gott ähnlich“), aber ich muss zugeben, dass wir natürlich in unserem Wissen und Begreifen sehr begrenzt sind. Wer weiß schon, welche Dimensionen der Gotteserkenntnis es noch gibt, von denen wir nichts ahnen?

Wenn Du/Sie eine Frage für „Frag doch mal die Schwester“ hast/haben: ich nehme alles entgegen unter sr.barbara@bethanien-op.org

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