Jona, geh nach Ninive!

Viele Menschen überall auf der Welt bemühen sich um die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Das ist manchmal ganz leicht und manchmal ziemlich mühsam, aber immer lohnend. Wenn ich mich in meinem Glauben wohlfühle und ihn als wahr und richtig erkannt habe, hindert mich das nicht, mit Menschen anderen Glaubens zusammen zu kommen. Im Gegenteil: es kann überaus bereichernd sein zu erfahren, wie andere Gott und die Welt sehen.

Da finde ich es einfach wunderbar, wenn es Orte gibt, die von Menschen verschiedener Religion gemeinsam als Pilgerstätte betrachtet werden. Ein solcher Ort war das Grab des Propheten Jona.

Jona hatte nach jüdisch-christlicher Überlieferung von Gott den Auftrag bekommen, die Menschen in der Stadt Ninive zur Umkehr zu rufen. Mit Erfolg. Die Bevölkerung zeigte Reue und Gott verschonte Ninive – soweit die Erzählung der Bibel. Auch im Koran wird der Prophet Jona erwähnt, sein Grab war ein Pilgerziel für Muslime ebenso wie für Christen. Es lag in den Ruinen der antiken Stadt Ninive, in der Nähe der heutigen Stadt Mossul.
Heute berichtete Radio Vatikan über die Zerstörung und Planierung dieses Grabes durch die Fanatiker des sogenannten Islamischen Staates.
Natürlich: Der IS richtet viel Zerstörung an und begeht sicherlich schlimmere Verbrechen als ein antikes Grab zu planieren. Aber ich finde, hier wird der Fanatismus besonders deutlich: Ohne Sinn und Verstand zerstören sie brutal und barbarisch einfach alles, was nicht in ihre enge Vorstellung von Religion passt. Ich hoffe, dass wir ihnen nicht auf den Leim gehen. Lassen wir uns nicht blenden von ihrem Hass! Wichtig sind bei dieser Meldung nicht die Fanatiker des IS, sondern die Gläubigen von zwei Religionen, die an denselben Ort gepilgert sind – und beide Opfer wurden.

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