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Frag doch mal… nach dem Frauenpriestertum
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Dominikanerinnen von Bethanien, Schwalmtal-Waldniel 20. und 2.08.2008 (c) Uwe Nölke MENSCHENfotografie, Brunnenweg 21, D-61476 Kronberg, Tel: +49 6173 32 14 13, Mobil: +49 173 70 85 885, Email: uwe@noelke.com, Internet: www.menschenfotografie.de

Frag doch mal die Schwester, Teil 25:

Was ist aus katholischer Sicht ein guter Mensch?

Ausgangspunkt dieser Frage war ein Satz von Peter Rosegger, den ich am 10. Mai auf Facebook zitiert hatte: „Gute Menschen sind ansteckend.“ Das kann man erst mal so stehen und wirken lassen, man muss aber auch nicht zustimmen. Nur auf die oben gestellte Frage war ich nicht gefasst.

Was ist ein guter Mensch? – Das allein wäre ja schon schwierig genug. Darüber könnte man Romane schreiben.

Ich hänge aber schon vorher: Was ist denn die katholische Sicht?

Zuerst wollte ich mich rausreden. Es gibt so viele Katholiken auf der Welt und wahrscheinlich ebensoviele Sichtweisen. Ja, klar, in einigen Dingen sind sich kleinere und größere Gruppen schon einig, aber „DIE katholische Sicht“…? Gibt’s gar nicht!

Aber ist das wirklich so?

Neulich erklärte mir jemand den Unterschied zwischen Werten und Tugenden. Werte sind verhandelbar, Tugenden nicht. Wenn bei uns das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt und das Recht auf freie Religionsausübung und das Recht auf Asyl, dann sind das alles Werte, die von uns eingeordnet werden. Wir legen sie fest, z.B. wer ein Recht auf Asyl hat (politisch Verfolgte nämlich) oder was wichtiger ist (freie Meinung? Religionsfreiheit? Würde der Person?) Manchmal schachern wir sogar damit.

Anders ist es, wenn ich sage, ein Mensch ist ehrlich oder hilfsbereit oder wahrhaftig. Das sind Tugenden, die ihren Wert in sich tragen.

Wenn ich das auf uns Katholiken übertrage (eigentlich gilt es für alle Christen), dann glaube ich, dass wir uns mit einem Wertekonsens schwer tun würden. Klar ist für uns z.B. Nächstenliebe ein hoher Wert! Da sind sich alle einig, die jemals eine Nase in die Bibel gesteckt haben. Aber WIE hoch, das ist eben durchaus unterschiedlich. Da sehen manche, wie viel zu helfen wäre, fangen an zu zögern und fragen „wer ist denn mein Nächster?“ – wie es schon die Pharisäer vor 2.000 Jahren Jesus gefragt haben. Aber klar für alle ist: die christliche (katholische) Sicht ist liebevoll und hilfsbereit.

Mit der Vergebung ist es ähnlich: die war für Jesus ganz wichtig, folglich ist sie auch für uns ein hoher Wert. Aber schon in der Bibel taucht die Frage auf: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?“ Und das fragen auch heute manche Katholiken, in diesem Fall v.a. innerhalb der eigenen Kirche. Unbestritten ist dagegen: die christliche Sicht ist barmherzig und gnädig.

Damit habe ich die Frage immer noch nicht beantwortet, aber ich glaube, mit diesen Tugenden kommen wir schon weiter: aus katholischer Sicht sollte ein guter Mensch zumindest liebevoll, hilfsbereit, barmherzig und gnädig sein. Und ich vermute sehr stark, dass diese Sicht auch von den meisten anderen Christen geteilt wird.

2 Kommentare

  1. Auf diese Frage kam mir sofort der Umkehrschluss aus Mk 7,21 in den Sinn: „Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die guten Gedanken, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschafts, Wahrhaftigkeit, Treue, Grosszügigkeit, Wohlwollen, Selbstbeherrschung, Zufriedenheit, Barmherzigkeit, Demut und Einsicht. Alle dieses kommt von innen und macht den Menschen gut.“ Was aber ist ein gutes Herz? Ich würde sagen, es ist ein Herz, das ausgerichtet ist auf Gott.

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