Generalkapitel: Sister im fishpool

Der heutige Tag hatte zwei ganz unterschiedliche Teile: morgens haben wir den Rechenschaftsbericht der alten Generalpriorin gehört (wobei „alt“ sich nicht auf die Jahre bezieht, sie ist Mitte 50) . Das Kapitelteam, das u.a. die Methoden festlegt, in denen gearbeitet wird, hatte sie dazu verdonnert, sich (nach der Einführung) mit ihrem Rat in den „fishpool“ zu setzen und frei zu sprechen, anstatt den Bericht sicher hinter ihrem Tisch her vorzulesen.

Da saßen die fünf dann im inneren Stuhlkreis, dem „fishpool“ und legten Rechenschaft über ihre Amtszeit ab. Zwei Stühle waren in diesem Kreis noch frei, und hin und wieder setzte sich eine von uns aus dem äußeren Kreis auf einen der freien Stühle, um in der Mitte mitsprechen zu können.

Ich stelle es mir nicht einfach vor, nach sechs Jahren als Generalpriorin Rechenschaft ablegen zu müssen. Aber so ungeschützt wie hier – das fand ich schon bewundernswert.

Am Nachmittag haben wir dann die Wahl der neuen Generalpriorin vorbereitet. Vorher hatte es in der gesamten Kongregation eine Meinungsumfrage gegeben, d.h. alle Schwestern konnten ankreuzen, wen sie gerne als Generalpriorin hätten. Das Ergebnis ist für die Kapitularinnen nicht verpflichtend, aber natürlich wird es berücksichtigt, besonders, wenn die Tendenz recht deutlich ist.

Jetzt ist der Arbeitstag vorüber, gewählt wird erst morgen, damit der Heilige Geist noch die Chance hat, über Nacht wilde Ideen in unsere Köpfe zu pusten. Ich meine: bei der morgigen Wahl ist das jetzt nicht so arg wahrscheinlich, aber man weiß ja nie! Der Geist weht, wo er will…

Begonnen und abgeschlossen haben wir den Tag wie immer in der Kapelle – wo sich der rote Teppich, den wir für die Menschen ausrollen, für die wir da sind, täglich verändert und füllt.

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