Unchristlich!

Einer meiner Facebook-Freunde, nennen wir ihn mal Clemens, schrieb neulich Folgendes: „Ich brauche Platz für neue Freunde. Daher zwei Regeln: 1.) Wer mir auf den Keks geht, fliegt raus. 2.) Wann 1. zur Anwendung kommt, bestimme ich nach Aktenlage. – Schönes Wochenende.“

Nun muss man diesen Mann ein bisschen kennen, um das richtig einschätzen zu können. Clemens schreibt normalerweise gut recherchierte und klug weitergedachte Texte, gern auch mal ein wenig ironisch – aber niemals platt. Deshalb ist eine fast schon stenographische und aggressive Sprache wie oben eher untypisch. Mir zeigt sie mehr, an wen er sich wendet, nämlich offenbar an diejenigen seiner Facebook-Kontakte, von denen er sich schon so manche grobe Unverschämtheit gefallen lassen musste. Wahrscheinlich meinte er, sie mit einer klaren Ansage besser erreichen zu können.

Es gab eine ganze Reihe Kommentare dazu, v.a. echte Freunde, die launige Sprüche machten, ob sie denn wohl bleiben dürften, wenn sie ganz bestimmt ganz lieb seien, etc. Aber es gab auch die anderen, die das unverschämt fanden und sich selber „abmeldeten“. Der Tonfall war dabei so, dass ich stark vermute, dass sie wohl zu den Angesprochenen gehörten.

Ein Kommentar begann mit „Ich finde das einen sehr unchristlichen post!“

Leider konnte ich die Dame nicht fragen, was sie damit genau meint, denn sie hat die Facebookfreundschaft mit Clemens zur beiderseitigen Zufriedenheit beendet. So bin ich auf meine eigenen Überlegungen zurückgeworfen. Clemens ist zweifellos ein überzeugter und engagierter Christ. Wie hätte er eine klare Ansage an diejenigen, die ihm gegenüber grob unhöflich sind, „auf christlich“ formulieren sollen? Oder sollte es womöglich christlich sein, niemanden rauszuwerfen, egal wie beleidigend er wird, nach dem Motto „wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, halte ihm auch die andere hin“?

Dazu mag es unterschiedliche Ansichten geben, aber ich persönlich bin nicht für frommes Gesäusel. Manchmal ist eine eindeutige Formulierung für beide Seiten das Beste. Höflich zu bleiben sollte selbstverständlich sein, das hat aber nichts mit der Religion zu tun, sondern eher mit der Erziehung. Und auch als Christ muss man sich nicht jede Beleidigung gefallen lassen. Im Gegenteil. Es ist durchaus hilfreich, wenn wir hin und wieder mal klar machen, dass wir nicht einfach die Schuhabtreter der Nation sind. Wenn der Gesprächspartner nur noch angreift und gar keinen Austausch mehr will, dann darf man sich getrost anderen Menschen zuwenden. Das dient nicht nur dem Selbstschutz, sondern auch unserer Glaubwürdigkeit und folgt nicht zuletzt den Worten unseres Gründers Jesus: „Wenn man euch in einer Stadt nicht aufnehmen und eure Worte nicht hören will, dann schüttelt den Staub von euren Füßen [und zieht weiter].“ (Mt 10, 14)

5 Comments


  • Bei der Überschrift und dem ersten Satz dachte ich „Oh Gott, jetzt nörgelt sogar die Dominikanerin an Clemens‘ Aussage herum“. Dann musste ich über mich selbst lachen. Danke dafür.
    Ich kenne einige öffentliche Aussagen über Clemens, die ich abstoßend gemein finde.
    Clemens‘ Ansage finde ich viel, viel netter als jene öffentlichen Aussagen – und auch viel netter als so Ausdrücke wie „übertünchte Gräber“ oder „Schlangenbrut“. Hätte er mit Fug und Recht auch sagen können.

    • Barbara Offermann

      Also, ich muss doch sehr bitten! *empörteshüsteln*
      „Die Dominikanerin“ (firmiere ich bei Dir wirklich unter diesem Titel? Das macht mich jetzt aber echt betroffen…) ist Clemens‘ beste Freundin und würde NIE über ihn nörgeln! *hyperventiliermodusaus* Außerdem mag ich als Erzieherin ja klare Ansagen.

  • Keine Sorge. Ich habe mich ja nur so richtig, richtig gewundert. Halt kurz.
    Und Du bist für mich „die Dominikanerin“ genau so lange, wie „Clemens“ „Clemens“ ist. 😀

  • Weder Schwester Barbara Offermann noch – Clemens – kenne ich persönlich. Jedoch lese ich oft ihre Texte und Recherchen, schmunzel über Auseinandersetzungen mit anderen Facebook- Freunden oder die Zornesröte steigt mir ins Gesicht bei manchen Kommentaren. Natürlich gilt in unserem Land Meinungs- und Pressefreiheit, Clemens nutzt sie und das finde ich gut. Ich verhalte mich zum größten Teil still zu den Texten, das liegt daran, dass ich Einiges nicht verstehe und das Hintergrundwissen nicht habe. Daher masse ich mir nicht an, mit halbseidenem Wissen mich einzuklinken, lese und recherchiere bei Interesse, ansonsten scrolle ich weiter. Die Texte von Ihnen- Dominikanerinnen, und Clemens, sind für mich Horizonterweiterung, KOntrastprogramm zu mancherlei Bullshit im Netzt, und ich danke Ihnen dafür. Und wenn Clemens mal aufräumt- soll er. Ich mache das übrigens einmal jährlich vor Ostern. Allerdings in den letzten Wochen zweimal- es war mir echt zuviel, obwohl ich nicht journalistisch tätig bin. Ich habe sicherheitshalber mal nachgeschaut, die meisten Texte macht Clemens öffentlich und man kann sie auch ohne Facebook- Freundschaft nachlesen. Also, nur Mut !

    • Barbara Offermann

      Danke sehr. „Kontrastprogramm zu mancherlei Bullshit im Netz“ – das finde ich super, das merk ich mir. Ich erwäge sogar, es in das Konzept meiner Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen, wäre doch mal eine klare Beschreibung, die auch meiner Generalpriorin klar vor Augen führen würde, was ich so tue, oder? Aber da überlege ich noch… 🙂

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