Halloween? Hallooo???
31. Oktober 2018

Ich sammle meine Einkäufe vom Band, nehme das Wechselgeld und den Kassenbon entgegen. Die Kassiererin lächelt mich freundlich an: „Schönes Wochenende!“ Ich lächle zurück: „Danke, Ihnen au…“ Plötzlich bleibt mir das Wort im Hals stecken. Es ist Freitag, 15:00 Uhr, der Supermarkt schließt um 21:00 Uhr. Ich frage vorsichtig: „Ihr Wochenende fängt wohl noch nicht so bald an, oder?“

Seit ich einmal auf den Gedanken gekommen bin, gerate ich immer wieder an diesen Punkt, und immer mal wieder frage ich die Kassiererinnen, wie lange sie eigentlich noch zu arbeiten haben – am Freitagnachmittag, am Samstag und vor allem, wenn ich mal ausnahmsweise spät abends einkaufen muss. Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manchmal kam schon ein fröhliches: „Nur noch eine Stunde, ich hatte Frühschicht!“ Oder: „Noch bis 20:00, aber dafür hatte ich heute morgen frei, was tut man nicht alles…“ (Sie hat nicht erklärt, wofür sie das tut, schien aber ganz zufrieden zu sein.) Manchmal kommt aber auch ein „wir schließen um 22:00, und dann aufräumen“ – das trifft mich jedes Mal wieder neu, obwohl ich doch auch oft noch abends arbeite. Ich glaube, es ist die Art dieser Arbeit. Es ist nicht nötig, dass wir alle noch um zehn Uhr abends das volle Sortiment der Discounter zur Verfügung haben. Kein Mensch muss um diese Uhrzeit Kaffee, Marmelade und Zeitungen kaufen! Ich will jetzt nicht die sentimentale Tour fahren von wegen „in meiner Kindheit waren die Läden um 18:00 zu (samstags um 14:00 !), und wir haben auch überlebt“. Das stimmt zwar, ist aber ein schwaches Argument. Die Zeiten ändern sich eben.

Trotzdem frage ich mich, auf wessen Kosten wir den Luxus genießen, die vergessenen Snacks mal eben zur Primetime holen zu können – und zwar zu regulären Preisen statt wie früher teuer an der Tankstelle. Ich möchte die Menschen nicht vergessen, deren Leben sich auf unsere Bedürfnisse einstellen muss. Und meiner Erfahrung nach haben sie sich noch immer über mein Interesse gefreut.

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