Dein Licht kommt – zweiter Adventssonntag

In unserer Pfarre hängt ein klassischer Adventskranz: grün mit roten Kerzen. Es gibt ja eine ganze Menge Alternativen, aber dies erscheint mir als das „normale“ – oder nicht?

Der Adventskranz ist einerseits voller Symbolik – und andererseits einfach deshalb entstanden, weil Johann Wichern 1839 auf die Idee kam, den Jungen, die er betreute, das Warten auf Weihnachten zu verkürzen. Es war also ursprünglich eine Art Adventskalender: auf ein großes Holzrad (später mit Tannengrün geschmückt) setzte er vier weiße Kerzen für die Sonntage und 19 rote für die Werktage. Jeden Tag las er seinen Jungen im „Rauhen Haus“ eine biblische Geschichte vor und jeden Tag wurde eine Kerze mehr angezündet.

Der Adventskranz ist also eine recht junge Tradition, trotzdem ist er mir doch lieb und kostbar. Die schlichte und klassische Form in grün und rot weckt bei mir Erinnerungen an die Kindheit – die zur Vorweihnachtszeit ja schließlich auch gehören.

Nun lebe ich inzwischen im Kloster und habe mich dort von manchen Gewohnheiten meiner Familie verabschiedet. Die Kirche und der Orden haben ihre eigenen Traditionen, meist kommt es da mehr auf den symbolischen Gehalt an als auf das schöne Gefühl. (Jedenfalls sollte es so sein, und die jüngeren Schwestern können ganz schön allergisch reagieren, wenn die älteren ein Fest nur deshalb in einer bestimmten Weise feiern wollen „weil das immer schon so war“. Das geht gar nicht.)

Hält der Adventskranz meiner Kindheit dem stand?

Der Kranz aus Tannengrün („Immergrün“) als Ausdruck der Hoffnung auf ewiges Leben, die Kerzen als Hinweis auf den kommenden Jesus Christus, der von sich selber gesagt hat „Ich bin das Licht“, in rot als Erinnerung an die Liebe Gottes – passt.

Glück gehabt! Dank an Johann Wichern, der so genial einfache Zeichen gefunden hat, um uns das Warten auf Weihnachten auf fromme Art zu verkürzen!

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