Sister on tour

Hallo, ich bin Sister!

Ich bin Dominikanerin, wie man an meinem weißen Kleid erkennen kann. Eigentlich war das Kleid ursprünglich schwarz, aber mit Hilfe von etwas Flüssig-Tipp-Ex habe ich mich von der Benediktinerin zur Dominikanerin gewandelt. Das entspricht einfach mehr meinem Naturell. Die Benediktiner geloben ja die „stabilitas“, d.h. sie bleiben ihr Leben lang an ein und demselben Ort. Das ist nichts für mich. Die Dominikaner dagegen sind „Wanderprediger“, sie ziehen durch die Welt und verkünden überall die frohe Botschaft, dass Gott die Menschen liebt. (Also, das ist jetzt die Superkurzfassung, wir haben schon auch noch ein bisschen mehr zu sagen – wenn man uns lässt.)

Gestern war es ein bisschen anders: ich war wieder mal „on tour“, aber nicht zum Predigen, sondern auf Wallfahrt, genauer gesagt auf einer Buswallfahrt. So was hatte ich noch nie gemacht, eigentlich laufe ich lieber. Aber es ging nach Lage bei Osnabrück und das hätten wir vom Niederrhein aus in einem Tag ja nicht geschafft. Also sind wir mit Autos nach Düsseldorf gefahren und von dort mit einem großen Bus weiter. Es war richtig schön: ein bisschen plaudern durften wir, aber es gab einen ordentlichen Reisesegen, dann wurde richtig zünftig die Laudes gebetet und gesungen und später noch ein Rosenkranz.

In Lage haben sich dann so an die 120 Mitglieder der dominikanischen Familie getroffen: Brüder, Schwestern und ganz viele Laien. (Das sind Dominikaner/innen, die nicht in einem Kloster leben, sondern verheiratet oder als Single ganz normal ihren verschiedenen Berufen nachgehen. Sie treffen sich regelmäßig in Gruppen zum Gebet.)

Vor allem aber waren wir zu Gast bei unseren Nonnen. In Lage gibt es acht Dominikanerinnen, die – ähnlich wie Benediktinerinnen – immer am selben Ort bleiben und das Haus auch normalerweise nicht wirklich oft verlassen. Ihre Hauptaufgabe ist das Gebet und die Kontemplation, die Arbeit wird dem untergeordnet. Darum wird in ihren Häusern auch viel geschwiegen. Es gibt in Deutschland nur drei dominikanische Nonnenklöster, die meisten Dominikanerinnen sind „Schwestern“, wie ich. Und weil die Nonnen zu unseren jährlichen dominikanischen „Familientreffen“ ja nicht hinkommen können, sind wir diesmal zu ihnen gefahren – und haben direkt eine Wallfahrt daraus gemacht.

Jetzt hab ich aber genug geredet, den Rest von der Rosenkranzwallfahrt erzähle ich lieber morgen.

 

2 Comments


  • Ich fand´es klasse, daß die Lager Nonnen dabei waren – schließlich hätten wir sie nirgends sonst treffen können!
    Und trotz der Anstrengungen durch die Vorbereitungen schienen sie sich doch auch sehr gefreut zu haben – ich hoffe, das war auch wirklich so!
    Nach wie vor irritiert mich ihre eigene Aussage über ihr „anscheinend nutzloses Dasein“, denn selbst wenn ich etwas nicht für mich als passend empfinde, so muß das doch deswegen nicht unnütz sein?!
    Für mich ist das eine besondere Form der Gabe in Kontemplation leben zu können – und die Ergänzung dessen, was wir anderen vielleicht versuchen, nämlich das Gehörte mehr praktisch umzusetzen …
    Ich finde das schwer in Worte zu fassen: Vielleicht so ein bisschen wie die Seiten einer Medaille?

    • Barbara Offermann

      Hallo Daniela! Ich glaub, die Mädels hatten wirklich Freude an dem großen Familientreffen. Aber sie waren bestimmt auch froh, als wir wieder weg waren. Sie lieben einfach die Stille.
      Was das „scheinbar nutzlose Dasein“ angeht: wenn man sich die Formulierung mal auf der Zunge zergehen lässt, stimmt sie genau. Es ist ja wirklich schwer, einen Nutzen darin zu erkennen, dass Menschen den ganzen Tag beten. Das heißt nicht, dass es keinen Sinn hat – aber ein Nutzen…??? Insofern ist das Dasein der Nonnen sicher nicht sinnlos, aber es scheint schon nutzlos zu sein – es scheint! Ob es das wirklich ist, steht auf einem anderen Blatt.
      Meine persönliche Meinung, die ich die Mädels schon eine Weile kenne, ist übrigens: Gerade die Nonnen von Lage führen sicher kein nutzloses Leben, denn sie stellen die Früchte ihrer Kontemplation vielen anderen Menschen zur Verfügung. Unsere Welt braucht Orte wie Lage und Menschen wie diese Nonnen dringender denn je.

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