Österliche Gewinn- und Verlustrechnung

Da ich z.Zt. nicht so viel auf Facebook bin, komme ich erst jetzt dazu, dort die vielen freundlichen Ostergrüße zu beantworten. Aber auf ein „Frohe Ostern“ kann man am Mittwoch danach schlecht mit „Danke gleichfalls“ antworten. Tja, was macht man da?

Zum Glück ist Ostern für uns Katholiken ja noch nicht vorbei, eigentlich hat es in der Osternacht gerade erst angefangen. Ja, hömma: wir haben 40 Tage lang gefastet, da kann man doch mit dem Halleluja nicht schon nach zwei Tagen wieder aufhören! Deshalb dauert die Osterzeit sogar noch länger als die Fastenzeit, nämlich 50 Tage, bis Pfingsten.

Jetzt werden die Theologen kommen und sagen, dass das mit der 40 und der 50 aber eine tiefe Bedeutung hat, heilige Zahlen, Symbolik, Pentekoste usw. – alles richtig. Aber ich bleibe dabei: wir Katholiken sind einfach lebensfroh. Und wenn Du dich 40 Tage lang in Fasten und Buße übst, dann willst Du anschließend aber mindestens so lange auch feiern. Am Ende des Tages soll sich die ganze Büßerei ja schließlich lohnen, nicht wahr?

Mal ganz im Ernst: Als ich ins Kloster eingetreten bin, habe ich die alte dominikanische Tradition der Trauermetten kennengelernt. Die werden an den drei Kartagen gesungen, Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Schwermütige Melodien, lange Lesungen und ein wunderschönes Lichtritual: mit jedem Psalm, den man betet, werden mehr Kerzen gelöscht, bis zum Schluss die Kirche ganz dunkel ist. An diesen Tagen ist die Atmosphäre bei uns so gedrückt, dass ich damals als Postulantin eigentlich erst begriffen habe, was es bedeutet hat, dass Jesus gestorben ist. Danach habe ich dann zum ersten Mal richtig Ostern gefeiert. Das war eine Befreiung! Jesus hat den Tod und die Trauer besiegt! Halleluja!

Da genügt es nicht, ein paar Eier bunt zu färben und etwas Schokolade zu essen. Das will bejubelt werden! Und das tun wir denn auch: eine Woche lang richtig intensiv, in der „Osteroktav“, und danach etwas gemäßigter eben bis Pfingsten. Und wie in der Weihnachtszeit denke ich jetzt auch wieder, dass es einfach schade ist, wenn ein Fest auf die Deko, das Essen und die Geschenke reduziert wird.

Wenn man vor Ostern gefastet hat um abzunehmen, dann hat man vielleicht sowieso ein gespaltenes Verhältnis zu all der Schokolade, die plötzlich angeboten wird. Und wenn man gar nicht weiß, was man feiert, gibt es auch keinen Grund, daraus eine 50-tägige Festzeit zu machen… Aber ich freue mich auf diese 50 Tage: mit viel Halleluja und vielen Osterliedern natürlich. Aber vor allem mit vielen wunderbaren Texten aus dem Evangelium: all die Berichte des Auferstandenen und dann aus der Apostelgeschichte die Erzählungen, wie sich die Apostel allmählich trauten, die Botschaft weiterzugeben, eben die Entwicklung bis zur Gründung der kirchlichen Gemeinde an Pfingsten.

Und – ja – zu dieser Zeit gehört auch endlich wieder Schokolade. Unsere Kinderdörfer kriegen nämlich immer die Reste, die die Geschäfte jetzt nicht mehr verkaufen können, und zwar mehr als die Kinder alleine essen können… Da lacht das sister-Herz!

Eine frohe und gesegnete Osterzeit!

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