Dein Licht kommt – 8. Dezember

Heute feiert die katholische Kirche das Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias. Man kann davon halten, was man will. Aber bevor man sich darüber aufregt, sollte man schon wissen, dass dieses Fest gar nichts mit der Frage zu tun hat, wie und von wem Maria denn nun schwanger geworden ist. Es wird auch keineswegs behauptet, die Empfängnis eines Kindes (zu deutsch: Sex) beflecke eine Frau. Das kann man schon ahnen, wenn man weiß, wie das Fest eigentlich richtig heißt. Korrekterweise müsste ich nämlich sagen „das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria„.

Also ist die Frage nicht, wie Maria Jesus empfangen hat, sondern wie ihre Mutter Anna ihre Tochter Maria empfing. Dabei geht es aber nicht um den Vater, der ist hier mal klar und eindeutig Annas Ehemann Joachim (wenigstens etwas), sondern es geht um die Erbsünde.

Das ist nun nicht die einfache, normale, kleine, tägliche Sünde, die Fehler, die wir machen, die Schuld, die wir auf uns laden und womit wir uns voneinander und von Gott ab-sondern. Die Erbsünde ist vielmehr die Eigenschaft, die wir von der Vertreibung aus dem Paradies an (Adam und Eva, Apfel und Schlange, diese Geschichte) nicht mehr los werden: jeder Mensch ist einfach dadurch, dass er/sie Nachfahre von Adam und Eva ist, und dadurch, dass die ihre Chance auf das Paradies verspielten, gezwungen zu sündigen. Jeder. Außer Maria.

Denn dass feiern wir heute: dass Maria von Gott schon von ihrer Empfängnis (soll heißen: wirklich vom allerersten Anfang) an vor jeder Sünde bewahrt wurde. Für Gottes Sohn nur das Allerbeste.

Das kann man jetzt glauben oder auch nicht. Wenn man sich mit dieser Vorstellung schwer tut, hilft allerdings die Erkenntnis, dass Mariendogmen immer auch Aussagen über die Kirche, also über uns alle sind. In diesem Fall ging es eigentlich um die Frage, was mit den Menschen passiert, die ungetauft gestorben sind, z.B. weil sie vor Jesus gelebt haben oder als Kinder bei der Geburt starben, bevor sie getauft werden konnten o.ä.. Sollten diese Menschen alle von der Erlösungstat Jesu ausgeschlossen sein?

Darauf antwortet dieses Dogma, indem es sagt: Nein. Natürlich ist die Taufe ein wichtiges Sakrament. Aber auch Maria wurde nie getauft, also kann die Taufe nicht Voraussetzung für die Erlösung sein. Gott hat sie von Anfang an – also schon bevor Jesus für unsere Sünden starb und auferstand! – vor Schuld bewahrt. Ebenso hat jeder Mensch die Möglichkeit von seiner Schuld erlöst zu werden, auch wenn er Jesus gar nicht gekannt hat.

So gesehen ist die Aussage des heutigen Tages eigentlich ganz schön, oder?

1 Comment


  • Diese Aussage kannte ich noch gar nicht im Zusammenhang mit diesem Fest. Danke!

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