Ich brauche… Zuwendung

Wenn es um unser Bedürfnis nach Zuwendung geht, dann fällt mir Friedrich II. von Hohenstaufen ein. Er wollte im 13. Jahrhundert herausfinden, welches die Ursprache des Menschen sei. Deshalb nahm er Kinder ihren Müttern weg, ließ sie von Ammen betreuen und verbot diesen Ammen, mit den Kindern zu sprechen. Nicht einmal lächeln oder Gesten machen durften sie.

Natürlich (heute erscheint uns das trivial) fingen die Kinder nicht an, die universelle Sprache zu sprechen. Sie verkümmerten. Schließlich starben sie. Alle. „Denn sie können ohne das Patschen und das fröhliche Grimassenschneiden und die Liebkosungen ihrer Ammen und Ernährerinnen nicht leben.” (Eberhard Horst, 1975)

Soweit, so schrecklich. Es ist klar: Liebe, Zuwendung, körperliche und emotionale Nähe gehören zu unseren Grundbedürfnissen. Jetzt wird der aufmerksame Blogleser sagen: „Häh? – ich dachte, die lebenswichtigen Grundbedürfnisse waren in der ersten Fastenwoche dran! Sind wir nicht schon zwei Ebenen höher?“ Richtig! Deshalb geht es mir in diesem Fall auch nicht um die Kinder – sondern um die Ammen!

Niemand spricht von ihnen, denn ihre Gefühle waren nicht wissenschaftsrelevant. Aber ich frage mich, wie es ihnen gegangen sein mag. Wir sind doch von der Natur darauf angelegt, unsere Kinder zu lieben, zu umsorgen und zu beschützen. Es kann diese Ammen nicht kalt gelassen haben, dass sie die Babies weder anlächeln und noch mit ihnen schmusen durften.

Ja, als Kinder brauchen wir lebensnotwendig Liebe und Zuwendung – aber als Erwachsene sehnen wir uns immer noch danach. Dann wollen wir sie aber nicht nur bekommen, sondern (wenn wir uns normal entwickeln durften) auch geben. Ich kann das nicht nur rein biologisch-behavioristisch sehen. Ich erkenne darin auch ein Zeugnis unserer Gottebenbildlichkeit: Gott ist die Liebe, die sich an uns verschenkt. Diese Sehnsucht, diesen Wunsch, unsere Liebe weiterzugeben, haben auch wir in uns. Wenn wir ihr nachgehen, werden wir Gott ähnlicher werden.

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