Weihnachten sentimental
24. Dezember 2019
Reingestolpert
9. Januar 2020

„Friede auf Erden den Menschen guten Willens“ – das ist die Weihnachtsbotschaft, die die Engel in Betlehem verkünden. Dieses Jahr höre ich sie anders als sonst. Ich will jetzt nicht über den Jemen schreiben, Syrien oder Hongkong – oder was einem sonst so spontan beim Stichwort „Frieden“ in den Sinn kommen mag. Das überlasse ich den Profis. Mir geht es gerade um etwas ganz Persönliches.

Klar, Streit gibt es immer mal. Gerade zu den Feiertagen haben wir es wieder gemerkt, wo alle gereizt und die Erwartungen an das harmonische Miteinander irrational überhöht sind. Aber dieses Jahr habe ich einen Streit erlebt, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte, und das lässt mir keine Ruhe: Nach einem normalen Streit folgt in irgendeiner Form eine Versöhnung. Viele Möglichkeiten sind denkbar, viele Wege führen zum

Frieden für die Menschen guten Willens.

Aber was ist, wenn der eine einfach nicht will? Ich meine: ich habe selten das Gefühl, dass mir jemand richtig Unrecht getan hat. Diesmal schon. Da hat jemand Schuld auf sich geladen, sich versündigt. Normal wäre jetzt, wenn dieser Mensch käme und irgendwas sagte wie „Es tut mir leid.“ – Kommt aber nicht.

Aber Frieden ist verheißen den Menschen guten Willens!

Also ist ganz klar: keine Erbsenzählerei, irgendwie sind ja immer beide beteiligt, und wer braucht schon eine Entschuldigung?! Wir finden auch so wieder zueinander!!! – Nur wird dann im Gespräch klar: mein Gegenüber will nicht. Sich entschuldigen sowieso nicht, aber über meine Brücken gehen auch nicht. Mein Gegenüber will weiter streiten, will mir die Schuld geben, will mich klein machen. Und jetzt?

Frieden gibt es wohl nicht ohne den guten Willen – oder?

Ich habe ja guten Willen – aber lange reicht der nicht mehr. Er reicht auf keinen Fall, um irgendetwas an meiner Situation zu ändern. Und sowieso kann man ja nie die anderen ändern, immer nur sich selber. Also werde ich da ansetzen: in mir. Ich will aufhören zu streiten und zu rechten. Nicht weil ich müde wäre oder weil es aussichtslos ist. Beides hat mich früher nie vom kämpfen abgehalten. Aber ich weiß: so lange ich noch versuche mein Recht zu bekommen, werde ich keinen Frieden finden. Und wenn ich schon keinen äußeren Frieden mit diesem Menschen finden kann, dann doch den inneren mit meinem Gott und mir. Leicht ist das nicht – aber möglich, denn so ist es uns ja verheißen:

Friede auf Erden den Menschen guten Willens.

2 Kommentare

  1. Avatar Markus sagt:

    Genauso ist es bei uns schon über 1 Jahr. Wir wurden beschuldigt; das die Anschuldigung ohne jede Grundlage erfolgte, haben wir dann von jemand anderem erfahren, der der betreffenden Person auch angeraten hat, sich bei uns zu entschuldigen: Sieht sie nicht ein, sie ist im Recht! Was nützt der Wille zur Versöhnung unsererseits, wenn der Andere bei versuch, ihn zu grüßen, in die andere Richtung schaut? Es ist belastend, aber wohl nicht zu ändern, gell.
    Einen guten Start ins Jahr 2020!
    mk

    • Ich glaube, der Wille zur Versöhnung nützt schon – auf einer anderen Ebene. Wir können eben nicht immer die äußeren Bedingungen ändern. Ja, das ist belastend. Aber wir können immer und immer wieder versuchen, uns selber zu ändern. Und wenn wir den Willen zur Versöhnung haben, kann uns das den Frieden geben. Ein gesegnetes Neues Jahr!

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